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Görlitz
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Görlitz (, oberlausitzisch: Gerlz, Gerltzcite-ref-2[2] oder auch Gerltschcite-ref-3[3], obersorbisch ) ist die östlichste Stadt Deutschlands, Kreisstadt des Landkreises Görlitz im Freistaat Sachsen und grĂ¶ĂŸte Stadt der Oberlausitz. Sie liegt an der Lausitzer Neiße, die seit 1945 die Grenze zu Polen bildet. Die Grenze trennte die östlichen Stadtteile auf der anderen Seite des Flusses ab. Diese Stadtteile bilden die eigenstĂ€ndige polnische Stadt Zgorzelec.cite-ref-4[4]

Görlitz bildet zusammen mit Bautzen und Hoyerswerda einen oberzentralen StĂ€dteverbund, ist auch Mitglied der Euroregion Neiße und bildet seit 1998 mit Zgorzelec eine Europastadt.cite-ref-europastadt-5-0[5] Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Die historische Altstadt blieb erhalten. An ihren HĂ€usern erkennt man alle wesentlichen Phasen der mitteleuropĂ€ischen Baustile (SpĂ€tgotik-, Renaissance- und BarockbĂŒrgerhĂ€user). Umgeben ist die Altstadt von ausgedehnten GrĂŒnderzeitvierteln. Mit ĂŒber 4000 großteils restaurierten Kultur- und Baudenkmalen wird Görlitz oft als das flĂ€chengrĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Denkmalgebiet Deutschlands bezeichnet.cite-ref-insek-6-0[6] Diesem besonderen Stadtbild verdankt Görlitz seinen Status als beliebte und hĂ€ufig genutzte Filmkulisse („Görliwood“).

Auf diese Weise konnte die Stadt seit der Wiedervereinigung zwar architektonisch aufblĂŒhen, allerdings weniger durch wirtschaftliche ProsperitĂ€t, sondern durch die Spendenbereitschaft Einzelner und die öffentliche Finanzierung. Der wirtschaftliche Niedergang in der hochindustrialisierten und durch Energie- und Textilwirtschaft geprĂ€gten Region fand hier wie andernorts in Ostdeutschland statt. Strukturelle Überalterung und jahrelange Werbemaßnahmen, die besonders auf wohlhabende Rentner (Pensionopolis) als Zuzugsgruppe zielten, verstĂ€rkten diese demografische Entwicklung.

Aktuell sind der Strukturwandel und die Transformation die Hauptthemen der Stadt.cite-ref-7[7] Gleichzeitig entwickelt sich Görlitz zunehmend zu einem Wissenschaftsstandort von ĂŒberregionaler und internationaler Bedeutung. Neben der Hochschule Zittau/Görlitz, die sich sowohl im technisch-naturwissenschaftlichen als auch im sozialwissenschaftliche Spektrum auf gesellschaftliche VerĂ€nderungsprozesse fokussiert, sind auch die Technische UniversitĂ€t Dresden (ExzellenzuniversitĂ€t), die UniversitĂ€t Leipzig und die HHL in Görlitz mit Außenstellen, StudiengĂ€ngen oder Forschungsinstituten aktiv. Die Stadt ist zudem Standort mehrerer Fraunhofer-Institute, Forschungsgruppen und Labs, des Senkenberg Instituts fĂŒr Naturkunde, des zur Helmholtz-Gesellschaft gehörenden CASUS Center of Advanced Systems Understandingcite-ref-8[8] des u.a zum Leibniz-Institut fĂŒr ökologische Raumentwicklung gehörenden InterdisziplinĂ€ren Zentrums fĂŒr ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS)cite-ref-9[9] und des Deutschen Zentrums fĂŒr Astrophysik (DZA). Allein das Investitionsvolumen fĂŒr das DZA betrĂ€gt 1,25 Milliarden Euro.cite-ref-10[10] Görlitz ist außerdem Sitz der 1779 gegrĂŒndeten Oberlausitzischenen Gesellschaft der Wissenschaften, bei der es sich um eine der Ă€ltesten deutschen Wissenschaftsgesellschaften handelt. Der Zuzug aus dem Ausland, der zu einem internationalen Bevölkerungsanteil von knapp 17 %cite-ref-11[11] gefĂŒhrt hat, wirkt sich inzwischen positivcite-ref-12[12] auf die Bevölkerungsentwicklung aus.

Die Stadt ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Görlitz. Sie war zudem bis 2025 Heimat der Burjan-Schwestern, deren Ursprung durch ihre aus Görlitz stammende GrĂŒnderin Hildegard Burjan eng mit der Stadt verbunden ist.cite-ref-13[13]

Contents

‱ Geographie
‱ Lage
‱ Geologie
‱ Natur
‱ Umland
‱ Klima
‱ Geschichte
‱ Religion
‱ Politik
‱ Stadtrat
‱ Haushalt
‱ Wappen
‱ Flagge
‱ Profanbauten
‱ Sakralbauten
‱ Parks
‱ Kultur
‱ Theater
‱ Museen
‱ Musik
‱ Sport
‱ Medien
‱ Verkehr
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geographie

Lage

Görlitz liegt im zwischenzeitlich preußisch-niederschlesischen Teil der Oberlausitzcite-ref-14[14]cite-ref-15[15] am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße, die dort den Ostrand des Lausitzer Granitmassivs mit den AuslĂ€ufern des böhmisch-lausitzischen Grenzgebirges durchbricht. Es bildet den Übergang zwischen dem nördlichen Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet und dem sĂŒdlichen Lausitzer Bergland. Die ehemaligen Stadtteile am östlichen Flussufer bilden seit 1945 die polnische Stadt Zgorzelec. Görlitz und seine Schwesterstadt Zgorzelec bezeichnen sich gemeinsam als eine Europastadt.

Der Ortsmittelpunkt liegt auf einer Höhe von 201 m ĂŒ. NHN. Die höchste Erhebung des Görlitzer Stadtgebiets – die Landeskrone – liegt 420 m ĂŒ. NHN. Die niedrigste Stelle der Stadt mit 185 m ĂŒ. NHN befindet sich an der Neiße. Der Mittelwert fĂŒr das Stadtgebiet liegt bei 220 m ĂŒ. NHN.cite-ref-statistik-16-0[16] Der Wasserspiegel des im SĂŒden der Stadt gelegenen Berzdorfer Sees liegt auf einer Höhe von 185,6 m ĂŒ. NN. Der See ist an seiner tiefsten Stelle 72 m tief.cite-ref-17[17]

Der Meridian der geographischen LĂ€nge 15° östlich von Greenwich, an dem sich die Zeitzone der MitteleuropĂ€ischen Zeit orientiert, durchquert die Stadt. Dies hat zur Folge, dass die MitteleuropĂ€ische Zeit mit der mittleren Sonnenzeit von Görlitz ĂŒbereinstimmt.cite-ref-18[18] Die Stadt liegt auf 51° 09â€Č nördlicher Breite. Zu Ehren Juri Gagarins, des ersten Menschen im Weltall, wurde 1961 sĂŒdwestlich der Stadthalle unmittelbar an der StraßenbrĂŒcke nach Polen ein Meridiandenkmal errichtet. Nach den heutigen Messverfahren ist der Standort des Steins jedoch nicht mehr exakt. Der 15. Meridian verlĂ€uft danach etwa 137 m entfernt an den Neißewiesen unterhalb der Stadthalle.cite-ref-19[19]

Das Stadtgebiet erstreckt sich 19,4 km von Nord nach SĂŒd und 7,3 km von Ost nach West.cite-ref-statistik-16-1[16] Die nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte sind das tschechische Liberec (Reichenberg) etwa 50 km sĂŒdlich, Cottbus etwa 80 km nordwestlich, das schlesische Legnica (Liegnitz) etwa 80 km östlich und Dresden etwa 90 km westlich von Görlitz. Bis Bautzen sind es etwa 50 km.

Geologie

WĂ€hrend des TertiĂ€rs bildeten sich in abflusslosen Senken MoorwĂ€lder. Überflutungen, das Absterben von Pflanzen und die daraus resultierenden Ablagerungen fĂŒhrten zur Bildung von Braunkohlebecken wie im ehemaligen Tagebau Berzdorf. Die Basalt- und Phonolithkuppen wie die Landeskrone sind vulkanischen Ursprungs.

Der geologische Untergrund im Görlitzer Gebiet besteht im Norden aus Lausitzer Grauwacke. Sie setzt sich aus Biotit, grauem Quarz und hellem Feldspat mit Schichten aus feinkörniger Grauwacke und dichten Grauwackenschiefern zusammen. Den SĂŒden des Stadtgebietes bestimmt Ostlausitzer Granodiorit. Die Grenze zwischen den verschiedenen Untergrundarten verlĂ€uft ungefĂ€hr auf der Linie Ochsenbastei, Neißstraße, Peterstraße, Heiliges Grab bis ĂŒber Girbigsdorf hinaus. An der ObermĂŒhle endet die vom harten Granodiorit verursachte Einengung des Neißetals.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]

Natur

Vier Gebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiet) und ein Vogelschutzgebiet erstrecken sich teilweise auf dem Stadtgebiet. Das Vogelschutzgebiet Neißetal und das FFH-Gebiet Neißegebiet ĂŒberschneiden sich in weiten Teilen. Sie erstrecken sich von der ObermĂŒhle im Norden, durch das Neißetal, die Neißeauen bis an die sĂŒdlichen Grenzen der Stadt im Ortsteil Hagenwerder. Sie beinhalten u. a. das WeinberggelĂ€nde mit seinen bewaldeten TalhĂ€ngen, die Weinlache sowie die Neißewiesen und das Ackerland zwischen dem Stadtteil WeinhĂŒbel und dem Ortsteil Hagenwerder. Im Vogelschutzgebiet sind 26 Vogelarten nach den Kategorien 1 und 2 der Roten Liste Sachsens nachgewiesen. Dazu zĂ€hlen u. a. der Eisvogel, der FlussuferlĂ€ufer, der Mittelspecht und der Ortolan. FĂŒr diese vier Vogelarten zĂ€hlt das Vogelschutzgebiet zu den bedeutendsten Brutgebieten im Freistaat Sachsen.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] An die Gebiete grenzt das FFH-Gebiet Pließnitzgebiet in den Ortsteilen Hagenwerder und Tauchritz. Es umfasst die Flussauen der Pließnitz – eines Nebenflusses der Lausitzer Neiße.cite-ref-24[24]

Die Landeskrone (siehe auch Abschnitt Die Landeskrone) gehört dem FFH-Gebiet Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz an.cite-ref-25[25] Die Stadt ist auch Teil des FFH-Gebiets Separate Fledermausquartiere und -habitate in der Lausitz. Hierbei sollen die Wochenstuben, Quartiere und Nahrungshabitate von Mopsfledermaus und Großem Mausohr sowie zahlreicher weiterer gefĂ€hrdeter Fledermausarten geschĂŒtzt werden.cite-ref-26[26]

Mit der Verordnung zur Festsetzung von Naturdenkmalen im Stadtgebiet aus dem Jahr 1997 sowie den geÀnderten Verordnungen aus den Jahren 2001 und 2005 wurden durch die Stadt 27 Naturdenkmale benannt.cite-ref-27[27]

Siehe auch

:

Liste der Naturdenkmale in Görlitz

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Görlitz ist in neun Stadt- und fĂŒnf Ortsteile gegliedert.cite-ref-28[28] Die Stadtteile sind historisch gewachsen, entstanden durch Ansiedlung der Vertriebenen nach 1945 oder wurden als vorher selbststĂ€ndige Gemeinden oder Gemarkungen bis 1952 eingegliedert. Die fĂŒnf Ortsteile wurden bei der jĂŒngsten Gemeindereform in den 1990er Jahren der Stadt zugeschlagen und liegen rĂ€umlich vom Kernstadtgebiet entfernt.

Stadtteile sind Altstadt, Biesnitz, Innenstadt, Klingewalde, Königshufen, Nikolaivorstadt, Rauschwalde, SĂŒdstadt und WeinhĂŒbel (bis 1937 Posottendorf-Leschwitz).

Zum Stadtgebiet gehören auch folgende ehemals eigenstĂ€ndige Ortschaften: Deutsch Ossig, Hagenwerder (bis 1936 Nikrisch), Klein Neundorf, Kunnerwitz, Ludwigsdorf, Ober-Neundorf, Schlauroth und Tauchritz. Folgende ehemals eigenstĂ€ndige Orte bilden jeweils einen gemeinsamen Ortsteil: Hagenwerder und Tauchritz, Kunnerwitz und Deutsch-Ossig mit Klein Neundorf sowie Ludwigsdorf und Ober-Neundorf. Der Ort Deutsch-Ossig ist durch die Ausweitung des Tagebaus Berzdorf unbewohnt, nachdem die Einwohnerschaft umgesiedelt wurde. Ein Großteil zog in die Eigenheimneubausiedlung sĂŒdlich von Kunnerwitz.

Umland

Das Görlitzer Umland ist vor allem lĂ€ndlich geprĂ€gt, die nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte sind im Norden Weißwasser, im Westen Bautzen und Löbau, im SĂŒden Zittau sowie im Osten LubaƄ (Lauban) und BolesƂawiec (Bunzlau). Von den fĂŒnf StĂ€dten ist Löbau mit rund 20 km Entfernung die am nĂ€chsten gelegene Stadt.

Die Gemeinde Schöpstal mit den Gemeindeteilen Girbigsdorf, Ebersbach und Kunnersdorf sowie die Gemeinde Neißeaue mit dem Gemeindeteil Zodel grenzen nördlich, Markersdorf westlich an das Stadtgebiet an. Östlich der Neiße befindet sich die polnische Stadt Zgorzelec (Görlitz) sowie die gleichnamige Landgemeinde mit den Ortschaften beginnend im Norden in Richtung SĂŒden mit Ć»arka nad Nysą (Sercha), Jędrzychowice (Hennersdorf), KoĆșlice (Köslitz), Osiek ƁuĆŒycki (Wendisch-Ossig) und Radomierzyce (Radmeritz). Im SĂŒdwesten liegt die Gemeinde Schönau-Berzdorf auf dem Eigen, im SĂŒden die Landstadt Ostritz mit dem Ortsteil Leuba. Nordwestlich von Görlitz liegen die KleinstĂ€dte Niesky und Rothenburg, die aber nicht direkt an das Stadtgebiet grenzen.

Bis auf die Schwesterstadt Zgorzelec gehören alle angrenzenden Gemeinden und StĂ€dte zum Landkreis Görlitz. Auf dem heutigen polnischen Staatsgebiet schließt sich nordöstlich der polnischen Nachbarstadt die Görlitzer Heide an. Sie war bis zum 30. April 1929 ein eigener Gutsbezirk, die Görlitzer Kommunalheide. Der Großteil der Görlitzer Heide liegt nun im polnischen Powiat Zgorzelecki (Landkreis Zgorzelec). Zu ihm gehören auch die nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren LandstĂ€dte PieƄsk (Penzig) und Węgliniec (Kohlfurt) im Nordosten.

FlÀchennutzung

Das Görlitzer Stadtgebiet besteht zu ĂŒber 60 % aus GrĂŒnflĂ€chen. Als BauflĂ€che, die in mehrere Nutzungs- bzw. Bebauungsarten unterteilt ist, stehen 1484,6 ha zur VerfĂŒgung. Im Stadtkern ist die Bebauung sehr dicht. Besonders die Alt- und die Nikolaivorstadt sind durch enge StraßenzĂŒge und hohe Altbauten geprĂ€gt. Teilweise reichen die GebĂ€ude direkt an das Ufer der Neiße heran. In den Stadtteilen Königshufen, Rauschwalde und WeinhĂŒbel beherrschen dagegen Wohnblöcke des kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus das Bild, wobei man den typischen Plattenbau WBS 70 vorwiegend in Königshufen findet. Diese Stadtteile umschließen den Stadtkern im Norden, Westen und SĂŒden. In Biesnitz befinden sich vermehrt Eigenheime, die die ursprĂŒnglich aus Villen bestehende Vorstadt verdichten. Die Struktur der jĂŒngst eingemeindeten Ortsteile ist lĂ€ndlich. Auf dem ehemaligen KraftwerksgelĂ€nde in Hagenwerder im Ă€ußersten SĂŒden befindet sich das grĂ¶ĂŸte Industrie- und Gewerbegebiet der Stadt. Zwischen Königshufen und der Bundesautobahn 4 liegt ein weiteres Gewerbegebiet. WasserflĂ€chen machen etwa 11 % aus. Der geflutete Tagebau Berzdorf liegt sĂŒdlich von WeinhĂŒbel und reicht bis an die Ortslagen von Hagenwerder und Tauchritz heran.cite-ref-fl-che-29-0[29]

| Nutzungsart | FlÀche in ha [ 29 ] | Prozentual |
|---|---|---|
| WohnbauflÀchen | 675,3 | 10,05 % |
| Besonderes Wohngebiet | 14,7 | 0,22 % |
| Gemischte BauflÀchen | 215,7 | 3,21 % |
| Kerngebiet | 17,1 | 0,25 % |
| Gewerbliche BauflÀche | 428,3 | 6,37 % |
| SonderbauflÀche | 165,3 | 2,46 % |
| FlĂ€chen fĂŒr Gemeinbedarf | 105,4 | 1,57 % |
| Ver- und Entsorgung | 35,3 | 0,53 % |
| Straßenverkehr | 112 ,0 | 1,67 % |
| VerkehrsflÀchen mit besonderer Zweckbestimmung | 33,6 | 0,50 % |
| FlĂ€chen fĂŒr Bahnanlagen | 115,7 | 1,72 % |
| GrĂŒn- und FreiflĂ€chen (inkl. Wald) | 4062,1 | 60,43 % |
| WasserflÀchen | 741,5 | 11,03 % |
| Gesamt | 6722 ,0 | 100 % |

Klima

Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in den Sommermonaten liegt bei ĂŒber 20 °C, die durchschnittlichen nĂ€chtlichen Tiefstwerte in den Wintermonaten bei 0 bis −5 °C.cite-ref-30[30] Die durchschnittliche Lufttemperatur in Görlitz betrĂ€gt 8,2 °C, der jĂ€hrliche Niederschlag 657 mm. Im Schnitt ergibt sich die höchste Niederschlagsmenge im August mit 74 mm, wĂ€hrend der Februar mit rund 37 mm der trockenste Monat ist.cite-ref-temperatur-31-0[31]cite-ref-regen-32-0[32]

Der Juli weist mit rund sieben Stunden tÀglich die lÀngste Sonnenscheindauer auf. Der Dezember hingegen bringt es durchschnittlich nur auf eine Stunde und 30 Minuten pro Tag.cite-ref-sonne-33-0[33]

Das Stadtklima der Stadt wird besonders durch die dichte Bebauung des Stadtzentrums beeinflusst. Dies ist der Grund fĂŒr eine höhere Lufttemperatur und weniger Luftzirkulation als im Umland. WĂ€hrend der wĂ€rmeren Jahreszeit steigt die WĂ€rmebelastung und SchwĂŒle. Der Luftaustausch im Stadtkern ist stark eingeschrĂ€nkt. WĂ€hrend der Nacht kann sich eine WĂ€rmeinsel bilden. Im Vergleich zu den Kaltluftgebieten im Umland kann diese WĂ€rmeinsel 10 °C Differenz aufweisen. Diese Effekte sind allerdings typisch fĂŒr StĂ€dte. Görlitz verfĂŒgt ĂŒber klimaökologisch und lufthygienisch wirksame FreiflĂ€chen, die den Luftaustausch mit den bebauten FlĂ€chen intensivieren und damit das Stadtklima verbessern.cite-ref-34[34]

Görlitz ist Sitz der östlichsten Wetterwarte in Deutschland, die dauerhaft mit Personal des Deutschen Wetterdienstes besetzt ist.

Die Geschichte der Wetterbeobachtung in Görlitz geht bis 1848 zurĂŒck als Josef Theodor Hertel am Demianiplatz mit meteorologischen Messungen und Beobachtungen begann. 1887 zog die Wetterstation in die Hospitalstraße 20–21 um und wurde 1891 zum Hospital gegenĂŒber verlegt. 1930 wurde in dessen Park eine KlimahĂŒtte aufgebaut, wĂ€hrend um 1936 die Wetterwarte in die Girbigsdorfer Straße am Flugplatz verlegt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden am 1. Juli 1946 die Beobachtungen in Görlitz durch den SĂ€chsischen Landeswetterdienst am selben Standort wieder aufgenommen. 1990 begann man die automatische Erfassung von Wetterdaten. Im Oktober 1991 wurde zudem die RadioaktivitĂ€tsĂŒberwachung eingerichtet. Wegen des Baus einer Umgehungsstraße musste die Wetterwarte 1994 um 400 Meter in westliche Richtung verlegt werden und ein Containerkomplex wurde aufgestellt. 2007 bezog dann die Wetterwarte den Neubau am selben Standort. Im Jahr 2008 wurde die Wetterwarte Görlitz als erste Klimareferenzstation des Deutschen Wetterdienstes eingeweiht.cite-ref-38[38]

Geschichte

→

Hauptartikel

:

Geschichte von Görlitz

Ur- und FrĂŒhgeschichte und StadtgrĂŒndung

ArchĂ€ologische Funde im Stadtgebiet belegen eine Besiedlung seit der spĂ€ten Jungsteinzeit (Schnurkeramische Kultur). Aus der Zeit der Lausitzer Kultur stammen Funde von Brandbestattungen. Des Weiteren wurden Kupfer- und BronzemĂŒnzen aus der spĂ€ten Römischen Kaiserzeit geborgen. Nachdem wĂ€hrend der Völkerwanderungszeit im 4. und 5. Jahrhundert die germanische Bevölkerung das Gebiet der östlichen Oberlausitz verlassen hatte, wurde die Region erst im spĂ€ten 7. und 8. Jahrhundert von slawischen Gruppen wiederbesiedelt, was sich bis heute an den zahlreichen Orts- und Flurnamen sorbischer Herkunft ablesen lĂ€sst, darunter „Görlitz“ selbst. Unsicher ist, ob es sich dabei um Besunzane handelte, von denen ansonsten nichts bekannt ist. Aus dieser Zeit stammen Funde von Keramik in der heutigen Nikolaivorstadt und der östlichen Altstadt.

Anfang der 960er Jahre unterwarf der Markgraf der SĂ€chsischen Ostmark Gero die slawischen StĂ€mme in der Niederlausitz. Erst um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Meißen auch die Milzener in der Oberlausitz unterwerfen. Die Lausitz blieb jedoch lange Zeit ein Konfliktherd zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40] Görlitz wurde 1071 erstmals in einer Urkunde König Heinrichs IV. erwĂ€hnt. Darin erhielt der Bischof von Meißen das slawische Dorf Goreliz als Geschenk.cite-ref-41[41] Der ursprĂŒngliche altsorbische Name wird als *Zgorĕğc rekonstruiert, wovon die heutige sorbische Form Zhorjelc und der polnische Name Zgorzelec abzuleiten sind. Das anlautende Z- kommt in den deutschen Namensformen nicht vor, ist jedoch in den sorbischen Formen durchgĂ€ngig erhalten. Letztere zeigen im 18. und 19. Jahrhundert hĂ€ufig eine Metathese (Umstellung von Lauten) zu Z(h)olerc. Letztlich handelt es sich um eine Ableitung vom altsorbischen Verb *(i)zgorĕti „ausbrennen“, bezeichnet also einen durch Brandrodung gelichteten Platz.cite-ref-42[42]

Das Gebiet der heutigen Ober- und Niederlausitz kam 1075 als Pfand und 1089 als Reichslehen unter die Herrschaft der böhmischen Herzöge und spÀteren Könige, die mit Unterbrechungen bis 1635 damit auch Stadtherren von Görlitz waren.cite-ref-43[43]

Die Burg Yzcorelik, die vermutlich im Bereich der Peterskirche lag, wurde 1126 und 1131 zusammen mit anderen Burgen an der Grenze Böhmens durch Herzog Soběslav I. ausgebaut.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]

Von 1143 bis 1156 unterstand die Gegend dem wettinischen Markgrafen Konrad I. von Meißen.

Angelehnt an die dörfliche Siedlung bzw. die Burg, entwickelte sich wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts an der Via Regia eine Ansiedlung von Kaufleuten mit der Nikolaikirche im Kern. Um 1200 entstand eine planmĂ€ĂŸige Stadtanlage um den Untermarkt im Bereich der heutigen Altstadt. Ein Vertreter des böhmischen Königs, der dem Kreis der fĂŒhrenden Familien entstammte, aus dem die Großgrundbesitzer und FernhĂ€ndler hervorgingen, residierte 1234 und 1238 in der Stadt. Diese lösten sich spĂ€testens bis 1282 aus der stadtherrlichen Gewalt.

Unter der Herrschaft der Askanier, die den östlichen Teil des Landes Bautzen mit der Stadt Görlitz 1253 als Pfand vom böhmischen König erhalten hatten, wurde die Stadtanlage nach Westen erweitert und eine Stadtbefestigung errichtet, die nun auch das 1234 gegrĂŒndete Franziskanerkloster einschloss.cite-ref-46[46]

Im Jahr 1268 wurde unter den brandenburgischen Markgrafen eine von alters her bestehende MĂŒnzstĂ€tte Bautzen urkundlich genannt, die in dem gleichen Jahr durch eine neu gegrĂŒndete Görlitzer MĂŒnze ergĂ€nzt wurde, mit der sie jĂ€hrlich abwechselnd prĂ€gen sollte.cite-ref-47[47]

Aufstieg zum mittelalterlichen Handelszentrum

FĂŒr die Zeit kurz vor 1300 ist ein Stadtrat mit BĂŒrgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen belegt. Görlitz bekam 1303 als erste Stadt in der Markgrafschaft Oberlausitz vom landesherrlichen Vogteigericht die Obergerichtsbarkeit verliehen und wurde damit als Stadt unabhĂ€ngig.cite-ref-48[48] Wenig spĂ€ter entwickelte sich eine jĂŒdische Gemeinde. Nachdem die Stadt 1329 wieder zurĂŒck an Böhmen gefallen war, bestĂ€tigte König Johann von Luxemburg die sich entwickelnde Ansiedlung der Juden und stattete Görlitz mit zahlreichen Privilegien aus, insbesondere dem MĂŒnzregal.cite-ref-49[49]

Im Jahr 1339 erhielt die Stadt zusĂ€tzlich das Stapelrecht fĂŒr eine in ganz Europa nachgefragte FĂ€rberpflanze, das Waid, fĂŒr die Farbe Blau in der TuchfĂ€rbung.cite-ref-50[50] Die Stadt wurde durch ihren aufstrebenden Handel sowie wegen der Monopolstellung fĂŒr den Waidhandel in den böhmischen LĂ€ndern und dank einer florierenden Tuchproduktion zur bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau. Mitte des 14. Jahrhunderts hatte der Rat das Stadtgericht in HĂ€nden. Seit dieser Zeit ist ein doppelter Mauerring bezeugt, der ein Gebiet von 24 ha umschloss.

GestĂŒtzt auf ihre wirtschaftliche Macht und das Privileg des Königs grĂŒndeten die bis 1635 zum Königreich Böhmen gehörenden StĂ€dte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau am 21. August 1346 den Oberlausitzer SechsstĂ€dtebund. Im Auftrag des Königs von Böhmen und spĂ€teren deutschen Kaisers Karl IV. sollte die verbĂŒndeten StĂ€dte fĂŒr die Wahrung des Landfriedens in der Region sorgen. Das BĂŒndnis bestand bis 1815.cite-ref-51[51]

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stiegen die ZĂŒnfte zu lokalen Machtfaktoren auf. Sie lehnten die Außenpolitik des Rates ab und begehrten 1369, 1390 und 1405 vergeblich gegen die Ratsobrigkeit auf.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]

In den Jahren 1377 bis 1396 war die Stadt Zentrum des Herzogtums Görlitz, das Karl IV. fĂŒr seinen siebenjĂ€hrigen Sohn Johann gegrĂŒndet hatte. Dieser gestattete 1389 die Vertreibung der Juden aus Görlitz. Nach seinem Tod 1396 wurde das Herzogtum wieder aufgelöst.

WĂ€hrend der Hussitenkriege wurden 1429 die sĂŒdlichen und östlichen VorstĂ€dte niedergebrannt, die ummauerte Stadt jedoch nicht belagert.cite-ref-54[54] Nach zahlreichen Fehden, die die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zur Wahrung des Landfriedens und ihrer umfangreichen Privilegien gefĂŒhrt hatte, war sie im 15. Jahrhundert auch in die Auseinandersetzungen von Kirche und Adel mit dem als Kalixtiner angefeindeten böhmischen König Georg von Podiebrad verwickelt, wobei es 1466/68 zur Görlitzer Pulververschwörung kam.cite-ref-55[55] Auch in den Streit um den böhmischen Thron zwischen Georg von Podiebrad und Matthias Corvinus war Görlitz verwickelt. Deshalb wurden bis 1477 auch die VorstĂ€dte mit einem Graben und Palisaden umgeben sowie die Stadtbefestigung modernisiert und verstĂ€rkt.cite-ref-56[56]

Die Spannungen zwischen Görlitz und Zittau, die bereits nach Ende der Hussitenkriege begonnen hatten, entluden sich 1491 in einem Bierkrieg, bei dem es um das Recht der Zittauer ging, Bier zollfrei nach Görlitz einzufĂŒhren und zu vertreiben. Görlitz jedoch verweigerte die Einfuhr und den Verkauf fremden Bieres und beschlagnahmte es. Zittau reagierte daraufhin mit Übergriffen auf Ortschaften im nĂ€heren Umkreis von Görlitz. Die Fehde zwischen beiden StĂ€dten konnte erst durch einen Schlichterspruch des Landvogtes beendet werden, der beiden StĂ€dten gegenseitige Übergriffe untersagte und Zittau verpflichtete, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen.

Görlitzer BĂŒrger erwarben bereits seit 1440 umfangreichen Landbesitz. Um 1500 hatte die Stadt rund 10.000 Einwohner. Unter der Herrschaft des böhmisch-ungarischen Königs Matthias Corvinus (1458–1490), kam die Stadt im spĂ€ten 15. Jahrhundert zu höchster BlĂŒte, die bis weit in das 16. Jahrhundert anhielt. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche BĂŒrgerhĂ€user und Kirchenbauten der SpĂ€tgotik und Renaissance. Zugleich erwarben Die Einnahmen aus den Waidzöllen erreichten noch spĂ€ter, nĂ€mlich um 1560 einen Höhepunkt (mit 600 zollpflichtigen Fuhrwerken aus ThĂŒringen pro Jahr) und sanken dann rasch ab. Auch die Tuchmacherei erreichte damals einen Höhepunkt. Seit 1609 wurden keine Einnahmen aus Waidzöllen mehr verbucht; spĂ€ter wurde Waid behandelt wie andere HandelsgĂŒter auch.cite-ref-57[57]

Die Spannungen zwischen ZĂŒnften und Rat setzten sich bis in das 16. Jahrhundert fort und mĂŒndeten in den Streit um die Reformation. Ab 1521 wurde in Görlitz evangelisch gepredigt, auch wenn sich der Rat noch lange widersetzte. Eine evangelische Kirchenordnung wurde 1539 eingefĂŒhrt. In der Folge des Schmalkaldischen Krieges war die Stadt 1547 vom Oberlausitzer Pönfall betroffen, da die SechsstĂ€dte nur sehr zögerlich Truppen fĂŒr den Krieg gestellt hatten, die zudem das kaiserliche Lager bereits vor der Schlacht bei MĂŒhlberg wieder verließen. Die Stadt wurde zur Zahlung einer hohen Geldstrafe verpflichtet und verlor zahlreiche Rechte und sĂ€mtlichen Landbesitz. Zwar konnten in den folgenden Jahren viele Besitzungen und Privilegien wieder zurĂŒckgekauft werden, die Macht der StĂ€dte in der Oberlausitzer StĂ€nderepublik war jedoch zugunsten des Landesherrn und der großen Adelsgeschlechter gebrochen.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]

Görlitz im KurfĂŒrstentum Sachsen

Im April 1636 wurde Görlitz zusammen mit der Oberlausitz, deren StĂ€nde sich den aufstĂ€ndischen Böhmen angeschlossen hatten, zum Ausgleich fĂŒr Kriegsschulden des Kaisers an das KurfĂŒrstentum Sachsen vergeben. Der Kaiser bestĂ€tigte 1637 die vorgefundenen konfessionellen VerhĂ€ltnisse mit dem Traditionsrezess, woraufhin er in Görlitz die Huldigung entgegennahm. Im weiteren Verlauf des DreißigjĂ€hrigen Krieges wurde 1641 das von Schweden seit 1639 besetzte Görlitz erfolgreich belagert. Dabei erlitt es schwere SchĂ€den. Im SiebenjĂ€hrigen Krieg war die Umgebung der Stadt in der Schlacht von Moys erneut Schauplatz militĂ€rischer Auseinandersetzungen.

Im Jahr 1779 wurde dort die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften gegrĂŒndet, die spĂ€ter zur grĂ¶ĂŸten bĂŒrgerlichen Gesellschaft ihrer Art in Deutschland heranwuchs.cite-ref-60[60]

Als Napoleons Armee aus dem Russlandfeldzug zurĂŒckkehrte, zogen Armeeeinheiten durch das Görlitzer Gebiet und plĂŒnderten die umgebenden Dörfer, unabhĂ€ngig davon, ob es sich um VerbĂŒndete oder Gegner handelte. Innerhalb eines Jahres marschierten so mehr als 30 Truppenteile an Görlitz vorbei; die verbĂŒndeten Franzosen mussten einquartiert und verpflegt werden. BĂŒrgermeister Samuel August Sohr berichtete vor allem von den sich schnell ausbreitenden Epidemien. Weil der sĂ€chsische Herrscher Napoleon auch nach seiner Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig treu geblieben war, behandelten seine Gegner Sachsen als erobertes Gebiet. Daher war es beim Wiener Kongress nicht vertreten, sondern diente den europĂ€ischen GroßmĂ€chten als „Kompensationsobjekt“.cite-ref-61[61] Sie einigten sich 1815 auf eine Teilung des Königreiches Sachsen, wobei die Oberlausitz zur preußischen Provinz Schlesien kam. Görlitz wurde Sitz des gleichnamigen Landkreises Görlitz innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz.cite-ref-62[62]

Zweite BlĂŒte im preußischen Staat

Die Zugehörigkeit zu Preußen hatte erheblichen Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. Das preußische Stadtrecht wurde 1833 eingefĂŒhrt, und die Stadt kam unter dem ersten OberbĂŒrgermeister Gottlob Ludwig Demiani zu einer erneuten BlĂŒte. Im Jahr 1847 erhielt sie einen Bahnanschluss nach Dresden und wurde gleichzeitig ĂŒber eine Zweigbahn mit Berlin und Breslau verbunden.cite-ref-63[63] 1867 eröffnete die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft ihre Bahnstrecke von Berlin nach Görlitz vom Görlitzer Bahnhof in Berlin.cite-ref-64[64] 1873 wurde fĂŒr Görlitz ein eigener Stadtkreis gebildet.cite-ref-65[65]

Damit in Verbindung stand eine rasche Industrialisierung. Zahlreiche öffentliche Großbauten, Industrieanlagen und Wohnsiedlungen der GrĂŒnderzeit prĂ€gen noch heute das Stadtbild sĂŒdlich der Altstadt. Mit der Teilung Schlesiens in die Provinzen Ober- und Niederschlesien kam Görlitz 1919 zur westlichen Provinz Niederschlesien.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde wie ĂŒberall im Deutschen Reich die jĂŒdische Bevölkerung systematisch entrechtet und in Konzentrationslager verschleppt. Allerdings vereitelte die Görlitzer Feuerwehr den Versuch, in der Reichspogromnacht 1938 die Görlitzer Synagoge in Brand zu setzen, sodass diese als eine der wenigen Synagogen im heutigen Sachsen grĂ¶ĂŸtenteils unversehrt blieb. Im Jahr 1944 wurde das KZ-Außenlager Görlitz eingerichtet. Nachweislich wurden dort ĂŒber 400 jĂŒdische HĂ€ftlinge aus Ungarn, Polen, Tschechien und Russland ermordet oder starben an Krankheiten und EntkrĂ€ftung. WĂ€hrend des Krieges und vor allem gegen dessen Ende wurden insgesamt 37 HĂ€user zerstört und je nach Quelle zwischen 78 und 89 teils schwer beschĂ€digt. Alle sieben NeißebrĂŒcken wurden am 7. Mai 1945 – dem letzten Kriegstag – gegen 19 Uhr durch sich zurĂŒckziehende Wehrmachtstruppen gesprengt. Diese Sprengungen zogen auch zahlreiche angrenzende Bauten in Mitleidenschaft, so auch die Fenster der Kirche St. Peter und Paul in der NĂ€he der AltstadtbrĂŒcke.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67] Die Stadt wurde von der Roten Armee besetzt und so Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und ab 1949 der DDR.

Sozialismus und DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz durch die Oder-Neiße-Grenze geteilt. Der östlich der Lausitzer Neiße gelegene Teil der Stadt kam unter polnische Verwaltung und wird seither Zgorzelec genannt. Die dort ansĂ€ssige Bevölkerung wurde ab 21. Juni 1945 vertrieben. 650 Personen, die in Görlitz geboren wurden oder dort ihren letzten Wohnort hatten, wurden von der sowjetischen Geheimpolizei des NKWD verhaftet. Etwa 250 von ihnen starben in den Speziallagern.cite-ref-68[68] Durch die FlĂŒchtlinge und Vertriebenen aus den östlich von Oder und Lausitzer Neiße gelegenen Gebieten wuchs die Stadtbevölkerung im westlichen Teil der Stadt kurzzeitig auf ĂŒber 100.000 an.cite-ref-69[69] Der bei Deutschland verbliebene grĂ¶ĂŸere Teil der Stadt wurde Teil des Landes Sachsen, das 1952 aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden.

Mit der Unterzeichnung des Görlitzer Abkommens am 6. Juli 1950 erkannten die Deutsche Demokratische Republik und die Volksrepublik Polen die Oder-Neiße-Grenze als Staatsgrenze an.cite-ref-70[70] Die völkerrechtliche Anerkennung der Grenze seitens des wiedervereinigten Deutschlands erfolgte mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag und dem bilateralen Deutsch-Polnischen Grenzvertrag zwischen Deutschland und Polen im Jahr 1990.

Am 17. Juni 1953 kam es in Görlitz nach einer Kundgebung mit 30.000 Menschen zum zunĂ€chst erfolgreichen „Aufstand“, der nach VerhĂ€ngung des Ausnahmezustands durch die sowjetische Besatzungsmacht von Einheiten des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit und der Kasernierten Volkspolizei niedergeschlagen wurde.

Ab 1975 entstanden die Neubaugebiete Königshufen und Rauschwalde, wĂ€hrend die Bausubstanz der Alt- und Innenstadt verfiel. Ende der 1980er Jahre waren flĂ€chendeckende Abrisse geplant, die durch die politische Wende 1989 jedoch ausblieben. Es gibt in Deutschland nur sehr wenige in ihrer Einwohnerzahl mit Görlitz vergleichbare StĂ€dte, die eine solche Dichte von gut erhaltenen Baudenkmalen aufweisen können. Von dem Bau- und Sanierungsboom nach der Wiedervereinigung, der wesentlich durch Fördermaßnahmen des Staates und der EuropĂ€ischen Union getragen wurde, konnte insbesondere die Innenstadt profitieren. Der anhaltende Bevölkerungsschwund in den östlichen BundeslĂ€ndern macht sich allerdings auch in dieser Region bemerkbar.

Görlitz im Freistaat Sachsen

Im wiedergegrĂŒndeten Freistaat Sachsen wurde aus dem Stadtkreis Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der die Stadt umgebende Kreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz wurde zunĂ€chst Kreissitz, verlor diese Funktion jedoch bald darauf an Niesky. Im Verlauf der sĂ€chsischen Kreisgebietsreform 2008 fusionierten der Niederschlesische Oberlausitzkreis, die kreisfreie Stadt Görlitz sowie der Landkreis Löbau-Zittau am 1. August 2008 zum Landkreis Görlitz. Kreissitz wurde Görlitz. Damit entfiel der Status kreisfreie Stadt. Görlitz erhielt den Titel Große Kreisstadt.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]

Seit 1991 ist die Stadt Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Historische StĂ€dte, der auch die StĂ€dte Bamberg, LĂŒbeck, Meißen, Regensburg und Stralsund angehören. Ziele sind u. a. der gegenseitige Erfahrungsaustausch, die Festlegung gemeinsamer Positionen gegenĂŒber politischen Verantwortungs- und EntscheidungstrĂ€gern zu Themen der Stadtentwicklung in Deutschland und die Stadtentwicklung mit dem Schwerpunkt zukunftsfĂ€higer Konzepte fĂŒr historische Stadtstrukturen und deren Bausubstanz.cite-ref-74[74] Mit der GrĂŒndung der Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft Zittau/Görlitz am 13. Juli 1992 wird Görlitz einer der zwei Hochschulstandorte der Fachhochschule.cite-ref-75[75] Vom 3. bis zum 5. September 1993 richtete die Stadt den zweiten Tag der Sachsen aus unter dem Motto Wir in Sachsen. Zu Gast waren etwa 270.000 Besucher.cite-ref-76[76] Im Jahr 1996 fand die 925-Jahr-Feier statt. Die Feier wurde mit einem Festumzug eröffnet und inmitten des Obermarktes wurde ein GerĂŒst in der Grundform des ehemaligen Salzhauses aufgebaut und mit Planen verkleidet. Anfang der 1990er Jahre gab es Überlegungen das GebĂ€ude wieder zu errichten, was jedoch mit der BegrĂŒndung verworfen wurde, dass die Funktion des Platzes als Bindeglied zwischen Altstadt und GrĂŒnderzeitviertel zerstört wĂŒrde.cite-ref-77[77]

Nach der politischen Wende kam es vor allem auf wirtschaftlichem Feld zu gravierenden VerĂ€nderungen. Die einst volkseigenen Betriebe (VEB) in der Stadt sollten gemĂ€ĂŸ den GrundsĂ€tzen der sozialen Marktwirtschaft privatisiert werden. Zum 1. Mai 1990 wurde beispielsweise aus dem VEB Waggonbau Görlitz die DWA-Tochtergesellschaft Waggonbau Görlitz GmbH.cite-ref-78[78] Der VEB Görlitzer Maschinenbau wurde als Siemens Turbinenbau GmbH durch den Siemens-Konzern von der Treuhandanstalt ĂŒbernommen.cite-ref-treuhand-79-0[79] Beim einstigen VEB Kondensatorenwerk Görlitz scheiterte die Privatisierung und das Unternehmen musste bereits 1992 Insolvenz anmelden.cite-ref-80[80] Auch das Feinoptische Werk Görlitz wurde aus dem VEB Carl Zeiss herausgelöst und in eine GmbH umgewandelt. FĂŒr einen kurzen Zeitraum lieferte sie wieder Objektive mit der Markenbezeichnung Meyer-Optik. Auf Grund fehlender Investoren liquidierte die Treuhandanstalt das Feinoptische Werk Görlitz zum 30. Juni 1991.cite-ref-81[81]

Zwischen Januar 1991 und 28. Dezember 1997 wurden die Werksteile I bis III des Braunkohlekraftwerks Hagenwerder stillgelegt, da u. a. der Strombedarf sank, wirtschaftlichere Kraftwerksneubauten die NachrĂŒstung von Entstaubungs- und Entschwefelungsanlagen als unrentabel erscheinen ließ und auch die Braunkohleversorgung aus dem benachbarten Braunkohletagebau Berzdorf nur noch maximal 15 Jahre gewĂ€hrleistet war.cite-ref-82[82] Auch der Tagebaubetrieb wurde nach ĂŒber 170 Jahren der Braunkohleförderung am 28. Dezember 1997 eingestellt. Die folgenden Jahre fanden aufwendige Sanierungsarbeiten fĂŒr die anschließende Flutung des ehemaligen Tagebaus statt.cite-ref-83[83] Die Bauwerke des stillgelegten Kraftwerks wurden zum Großteil abgerissen oder gesprengt und das GelĂ€nde zum Gewerbegebiet umgewidmet. Mit Schließung von Kraftwerk und Tagebau verloren insgesamt etwa 6000 BeschĂ€ftigte ihren Arbeitsplatz.cite-ref-treuhand-79-1[79]

Görlitz und Zgorzelec bewarben sich 2001 zusammen um den Titel der „Kulturhauptstadt Europas 2010“. Im finalen Juryentscheidung unterlag die Doppelstadt der Stadt Essen, die sich stellvertretend fĂŒr das Ruhrgebiet beworben hatte.cite-ref-84[84]

Beim Augusthochwasser der Lausitzer Neiße im Jahr 2010 brach die Staumauer des Witka-Stausees. Die Witka ist ein Nebenfluss der Neiße und mĂŒndet sĂŒdlich des Görlitzer Ortsteils Hagenwerder in diese. Die Flutwelle ĂŒberschwemmte große Teile von Hagenwerder in kurzer Zeit.cite-ref-85[85] Durch das UnterspĂŒlen der Gleise der Eisenbahnstrecke Görlitz–Hagenwerder und damit das Durchbrechen der Fluten in den nahegelegenen Berzdorfer See wurden diese abgemildert. Jedoch erreichte der Pegelstand eine Höhe von 7,07 m und damit einen der höchsten Werte seit deren Aufzeichnung. Der mittlere Wasserstand betrĂ€gt 1,75 m.cite-ref-86[86] Besonders in den niedriger gelegenen Orts- und Stadtteilen sĂŒdlich und nördlich des Stadtzentrums, aber auch an der ufernahen Bebauung in der Innen- und Altstadt, im Neißetal sĂŒdlich der ObermĂŒhle sowie der Zgorzelecer Neißevorstadt gab es erhebliche SchĂ€den.cite-ref-87[87]

In der Nacht vom 14. auf den 15. MĂ€rz 2020 schloss Polen seine GrenzĂŒbergĂ€nge zu Deutschland infolge der COVID-19-Pandemie und somit auch die GrenzĂŒbergĂ€nge im Görlitzer Stadtgebiet.cite-ref-88[88] Die AltstadtbrĂŒcke wurde mit BauzĂ€unen abgeriegelt und von mit Maschinengewehren bewaffneten polnischen Grenzschutztruppen der StraĆŒ Graniczna bewacht.cite-ref-89[89] Der GrenzĂŒbergang an der StadtbrĂŒcke sowie der AutobahngrenzĂŒbergang in Ludwigsdorf blieben fĂŒr polnische RĂŒckkehrer geöffnet, die sich 14 Tage lang in QuarantĂ€ne begeben mussten. WĂ€hrend der Grenzschließung kam es vor allem vor den Oster- und Pfingstfeiertagen sowie vor Christi Himmelfahrt zu kilometerlangen RĂŒckstaus durch das gesamte Görlitzer Stadtgebiet sowie bis zu 63 km lange Staus auf der Autobahn 4 bis Burkau.cite-ref-90[90] Die Grenzen wurden in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2020 wieder geöffnet. Der Zgorzelecer BĂŒrgermeister RafaƂ Gronicz öffnete mit seinem Görlitzer Amtskollegen Octavian Ursu feierlich den Grenzzaun auf der AltstadtbrĂŒcke im Beisein mehrerer hundert Menschen.cite-ref-91[91]

Eingemeindungen

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden im Jahr 1925 Rauschwalde sowie im Jahr 1929 Moys (polnisch: Zgorzelec-Ujazd) nach Görlitz eingemeindet. Der Ortsteil Moys und das östlich der Neiße liegende Stadtgebiet fielen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gemĂ€ĂŸ Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Nach dem Krieg kamen am 1. Januar 1949 WeinhĂŒbel und Klingewalde sowie am 1. Oktober 1951 Groß und Klein Biesnitz zu Görlitz. Am 1. Januar 1994 folgte Deutsch-Ossig und am 1. MĂ€rz desselben Jahres Hagenwerder, Schlauroth und Tauchritz.cite-ref-gemeinden1994-92-0[92] Zuletzt kamen am 1. Januar 1999 noch Kunnerwitz mit Klein Neundorf, Ludwigsdorf mit Ober-Neundorf sowie Teile der Gewerbegebiete der Gemeinde Schöpstal (Girbigsdorf und Ebersbach) hinzu.cite-ref-93[93]cite-ref-94[94]

Einwohnerentwicklung

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Hauptartikel

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Einwohnerentwicklung von Görlitz

Hatte Görlitz vor der industriellen Revolution noch knapp 10.000 Einwohner, so verachtfachte sich die Einwohnerzahl zwischen 1825 und 1905 in nur acht Jahrzehnten von 10.724 auf 83.766 Einwohner. Mit der starken Bevölkerungszunahme seit der GrĂŒndung des Deutschen Reichs und in den folgenden GrĂŒnderjahren sprengte die Stadt ihre mittelalterlichen Grenzen und wuchs ĂŒber die Stadtmauern hinaus. Auch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stieg die Bevölkerungszahl weiterhin an. Im Jahr 1939 lebten schließlich etwa 94.000 Menschen in der Stadt.cite-ref-95[95]

Die Einwohnerzahl der Stadt Görlitz ĂŒberschritt 1949 auf dem westlich der Neiße gelegenen Stadtgebiet vor allem durch den Zuzug der zahlreichen FlĂŒchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten die Marke von 100.000 Einwohnern, wodurch die Stadt kurzzeitig zur Großstadt wurde. Die Bevölkerungszahl der Stadt erreichte damals mit 101.742 Bewohnern auch ihren historischen Höchststand. Bis 1988 war dann ein RĂŒckgang auf 77.609 Einwohner zu verzeichnen. Seit der Wende in der DDR verlor die Stadt gemessen an ihrem damaligen Gebietsstand durch Abwanderung und GeburtenrĂŒckgang noch einmal fast ein Drittel ihrer Bevölkerung.

Am 31. Dezember 2011 betrug die amtliche Einwohnerzahl von Görlitz nur noch 54.691 (nur Hauptwohnsitze).cite-ref-96[96] Verglichen mit der letzten VorkriegseinwohnerzĂ€hlung im Mai 1939 mit 93.823 Einwohnern entspricht dies einem RĂŒckgang um etwa 40 Prozent, obwohl der Verlust des östlich der Neiße gelegenen Wohnraumes durch drei nach 1945 errichtete Neubaugebiete westlich der Neiße kompensiert werden konnte. So lebten vor dem Krieg rund 8800 BĂŒrger im Ostteil der Stadt. Im Vergleich hierzu wohnten in den drei Neubaugebieten im Juli 2011 etwa 20.000 Einwohner. Dies zeigt, dass der verlorene Wohnraum östlich der Neiße nach dem Krieg bis 1990 mehr als kompensiert werden konnte.cite-ref-97[97]

Aufgrund des BevölkerungsrĂŒckgangs bot die Stadt um 2019 in einem Projekt Fremden einen Monat kostenloses Wohnen in der Stadt an, um RĂŒckmeldungen bzgl. möglicher Verbesserungen der AttraktivitĂ€t der Stadt zu erhalten.cite-ref-98[98]

Mit einem weiteren RĂŒckgang der Bevölkerung wurde zwar gerechnet, so prognostizierte das Statistische Landesamt fĂŒr das Jahr 2020 eine Bevölkerungszahl fĂŒr Görlitz von 46.400. Dies entsprĂ€che ungefĂ€hr der HĂ€lfte der Vorkriegseinwohner. Die Prognose des Landesamtes gilt jedoch als umstritten, denn seit 2006 verzeichnet Görlitz wieder mehr Zu- als Abwanderer und hat im November 2017 den Stand von 57.228 Einwohnern erreichtcite-ref-99[99], wobei jeder Zehnte der 2000 NeubĂŒrger ĂŒber 60 Jahre alt ist. Bis 2007 zogen bereits ĂŒber 1000 Senioren in die Stadt. FĂŒr sie gilt die Stadt durch ihr Ambiente, ihre Kultur, die ruhige Lage sowie die bis zu 20 % geringeren Lebenshaltungskosten auch aufgrund der gĂŒnstigen Mieten als beliebter Ruhesitz. Schon im 19. Jahrhundert bekam Görlitz den Beinamen „Pensionopolis“. Es war vor allem bei preußischen Beamten als Alterssitz beliebt. Diese Entwicklung macht sich auch jetzt wieder bemerkbar, PensionĂ€re verlegen ihren Wohnsitz in die Görlitzer Altstadt.cite-ref-100[100] Ein Großteil von ihnen stammt aus den alten BundeslĂ€ndern.cite-ref-101[101]

Görlitz und seine polnische Nachbarstadt Zgorzelec haben zusammen rund 85.600 Einwohner, von denen etwa 30.000 in Zgorzelec leben (Stand Dezember 2020). Dies entspricht ungefĂ€hr der Einwohnerzahl der gesamten Stadt in den frĂŒhen 1920er Jahren.cite-ref-102[102]

Religion

GemĂ€ĂŸ Zensus 2022 gehören 12,2 % der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche und 11,9 % der evangelischen Landeskirche, 76 % dagegen einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.

Görlitz ist Sitz des katholischen Bistums Görlitz und eines evangelischen Regionalbischofs fĂŒr den Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Die Reformation fasste seit 1521 Fuß und 1525 wurde in Görlitz die erste evangelische Messe gelesen. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts war Görlitz eine rein lutherische Stadt. Wie alle Lausitzer Lutheraner gehörte die Görlitzer Gemeinde keiner Landeskirche an, sondern die Stadt verwaltete ihre Kirchenangelegenheiten selbst, wobei allerdings dem katholischen Dekan des Domstifts Bautzen als Leiter einer Apostolischen Administratur bedeutende Rechte verblieben. Die evangelisch-lutherische Frömmigkeit in Görlitz wurde Ende des 17. Jahrhunderts stark vom Pietismus beeinflusst. Ab 1815 gehörte die Stadt zu Preußen und ihr Kirchenwesen wurde in die unierte Evangelische Kirche in Preußen eingeordnet.

Als Reaktion auf die vom preußischen Staat zwangsverordnete Union zwischen der lutherischen Kirche und der reformierten Tradition entstand die altlutherische Evangelisch-Lutherische Kirche in Preußen. In Görlitz wurde die evangelisch-lutherische Heilig-Geist-Kirchengemeinde gegrĂŒndet, die heute zum Kirchenbezirk Lausitz der SelbststĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehört. Durch die Wahl des Gemeindepfarrers Gert Kelter zum Propst des Sprengels Ost der SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) am 27. Januar 2007 ist Görlitz Sitz der Propstei Ost der Altlutheraner geworden.

Ansonsten war die Stadt Teil der schlesischen Provinzialkirche der evangelischen Landeskirche, deren Sitz sich seinerzeit in Breslau befand. Infolge der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg (Oder-Neiße-Grenze) verblieb nur noch ein kleiner Teil des Gebiets der schlesischen Provinzialkirche bei Deutschland und kam zur Sowjetischen Besatzungszone. Das frĂŒhere Görlitzer Stadtgebiet östlich der Neiße wurde zur Stadt Zgorzelec zusammengefasst. Die dort ansĂ€ssige, meist evangelische deutsche Bevölkerung wurde 1945–1947 zwangsausgesiedelt. Die an ihrer Stelle neu angesiedelte Stadtbevölkerung war meist römisch-katholisch, sodass die Bevölkerung des zur Stadt Zgorzelec gewordenen ehemaligen Görlitzer Stadtgebiets seit etwa 1947 mehrheitlich katholisch ist.

Die Kirchenleitung unter Bischof Ernst Hornig musste 1946 Breslau verlassen und siedelte nach Görlitz um. So wurde die Stadt 1947 Sitz einer Landeskirche, die zunÀchst den Namen Evangelische Kirche von Schlesien behielt, 1968 jedoch ihren Namen in Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes Àndern musste und 1992 ihren gegenwÀrtigen Namen Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz erhielt. Zum 1. Januar 2004 ging diese Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz auf. Seither ist Görlitz Sitz des (dritten) Sprengels dieser neuen Landeskirche. Innerhalb dieses Sprengels gehören die Kirchengemeinden der Stadt Görlitz zum Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zogen vermehrt wieder römisch-katholische GlĂ€ubige in die Stadt und grĂŒndeten ab 1853 eigene Pfarrgemeinden. Sie gehörten zum Erzbistum Breslau. Als dessen Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Grenzziehung geteilt wurde, bildete der westlich der Lausitzer Neiße bei Deutschland verbliebene Teil des Bistums Breslau zunĂ€chst das Erzbischöfliche Amt Görlitz. Hieraus entstand ĂŒber die 1972 eingerichtete Apostolische Administratur Görlitz zum 8. Juli 1994 das heutige Bistum Görlitz innerhalb der neu errichteten Kirchenprovinz Berlin, dessen Kathedrale die 1898 erbaute St.-Jakobus-Kirche wurde. Innerhalb des Bistums Görlitz gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Görlitz, St. Hedwig und Hl. Kreuz, zum gleichnamigen Dekanat.


Weitere Religionsgemeinschaften sind die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), die Zeugen Jehovas, die Neuapostolische Kirche und eine Gemeinde des Apostelamts Jesu Christi.

Seit 2005 gibt es in Görlitz wieder eine jĂŒdische Gemeinde.cite-ref-103[103] Die Gemeinde wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland und dem sĂ€chsischen Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl anerkannt. Sie nutzt die Wochentagssynagoge in der Synagoge an der Otto-MĂŒller-Straße fĂŒr ihre Gottesdienste und Gebete.cite-ref-synagoge2021-104-0[104]

Im Jahr 2018 wurde vom Verein Assalam (dt. Frieden) ein interkulturelles Zentrum als Begegnungsort in der Bahnhofsstraße eröffnet. Die RĂ€umlichkeiten sollen beispielsweise fĂŒr muslimische Freitagsgebete genutzt werden, stehen nach Angaben des Vereins aber auch fĂŒr kulturelle Veranstaltungen verschiedener Art auch anderer Konfessionen und Herkunft offen.cite-ref-105[105]

Politik

An der Spitze der Stadt ist seit 1282 ein BĂŒrgermeister bezeugt. SpĂ€ter gab es auch einen Rat. Der BĂŒrgermeister wechselte jĂ€hrlich. Nach dem Übergang an Preußen wurde die preußische StĂ€dteordnung eingefĂŒhrt. Rat und BĂŒrgermeister blieben bestehen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Amt des OberbĂŒrgermeisters eingefĂŒhrt.

WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde der OberbĂŒrgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein Rat der Stadt beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung, die nach den in der DDR geltenden Regelungen gewĂ€hlt wurde.

Nach der Wende und dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland 1989/1990 wurde das zunĂ€chst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewĂ€hlt. Der Stadtrat wĂ€hlte anfangs auch den OberbĂŒrgermeister. Seit 1994 wird der OberbĂŒrgermeister jedoch direkt von den BĂŒrgern fĂŒr sieben Jahre gewĂ€hlt. Er ist sowohl Vorsitzender des Stadtrats als auch oberster Dienstvorgesetzter aller stĂ€dtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter.cite-ref-106[106]

Stadtrat

Stadtratswahl 2024

Wahlbeteiligung: 59,8 %

%

40

30

20

10

0

37,2

25,8

13,9

8,2

6,2

4,3

2,5

1,8

AfD

CDU

BfG

MG

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GrĂŒne

SPD

FS

Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2019

%p

8

6

4

2

0

−2

−4

+6,4

+3,8

−3,6

+2,5

−2,3

−3,3

+0,2

+1,8

AfD

CDU

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MG

Linke

GrĂŒne

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FS

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:

BĂŒrger fĂŒr Görlitz

Freie Liste Motor Görlitz

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%

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Hauptartikel

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Ergebnisse der Kommunalwahlen in Görlitz

Der Stadtrat besteht aus 38 Abgeordneten. Es sind zurzeit fĂŒnf Parteien und zwei lokale WĂ€hlervereinigungen vertreten. Die 38 Mandate im Stadtrat sind seit der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wie folgt verteilt:cite-ref-107[107]

| Partei/Liste | Sitze | Stimmenanteil |
|---|---|---|
| AfD | 14 | 37,2 % |
| CDU | 10 | 25,8 % |
| BĂŒrger fĂŒr Görlitz e. V. | 5 | 13,9 % |
| Freie Liste Motor Görlitz | 3 | 8,2 % |
| Die Linke | 2 | 6,2 % |
| BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen | 2 | 4,3 % |
| SPD | 1 | 2,5 % |
| BĂŒndnis OL/ Freie Sachsen | 1 | 1,8 % |

BĂŒrgerbeteiligung

Im MĂ€rz 2015 beschloss der Stadtrat eine Satzung zur BĂŒrgerschaftlichen Beteiligung. Diese trat mit Bekanntmachung im Amtsblatt zum 21. Juli des gleichen Jahres in Kraft. Das Stadtgebiet wurde hierzu in acht sogenannte BĂŒrgerbeteiligungsrĂ€ume unterteilt. Die Stadtteile Klingewalde, historische Altstadt und Nikolaivorstadt bilden einen gemeinsamen Beteiligungsraum. Biesnitz, Königshufen, Rauschwalde, SĂŒdstadt und WeinhĂŒbel hingegen erhielten jeweils einen eigenstĂ€ndigen Beteiligungsraum. Die Innenstadt wurde in zwei BeteiligungsrĂ€ume differenziert: Innenstadt Ost und Innenstadt West. Krölstraße, Otto-Buchwitz-Platz, Luisenstraße und Demianiplatz bilden die Grenze zwischen den beiden Innenstadtgebieten.cite-ref-b-rgerbeteiligung-108-0[108]

Den Stadtteilen ist jeweils ein Stadtteilbudget zugeordnet. Der gewĂ€hlte BĂŒrgerrat der Stadtteile entscheidet ĂŒber die Verwendung des Stadtteiletats. Die BĂŒrgerrĂ€te bestehen aus drei bis sieben Personen und werden von der Stadtteilversammlung fĂŒr zwei Jahre gewĂ€hlt. Die Stadtteilversammlungen sollen einmal jĂ€hrlich stattfinden, dabei sind alle Einwohner ab 16 Jahren des jeweiligen Stadtteils eingeladen. Im Haushaltsjahr 2016 wurde erstmals ein Stadtteilebudget bereitgestellt. Jedem Beteiligungsraum wird ein Euro je Einwohner und Jahr zugeteilt. Laut Satzung sollen die Anwohner damit „Entscheidungen fĂŒr ihr unmittelbares Wohnumfeld treffen [
] können. Sei es die Anschaffung einer Bank oder eines SpielgerĂ€tes, die UnterstĂŒtzung eines Straßenfestes, eine Stadtteilzeitung, eine gewĂŒnschte Bepflanzung o. Ă€.“cite-ref-b-rgerbeteiligung-108-1[108]

Die Ortsteile werden bereits seit ihren jeweiligen Eingemeindungen seit Anfang der 1990er Jahre durch gewÀhlte OrtschaftsrÀte reprÀsentiert. Die Wahl der OrtschaftsrÀte findet gemeinsam mit den Stadtratswahlen statt.

BĂŒrgermeister und OberbĂŒrgermeister

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Hauptartikel

:

Liste der BĂŒrgermeister von Görlitz

Das Amt des OberbĂŒrgermeisters wurde erstmals Gottlob Ludwig Demiani von König Wilhelm IV. 1844 verliehen. Demiani war bereits seit 1833 BĂŒrgermeister und bekleidete das Amt bis 1846. Er sorgte fĂŒr einen wirtschaftlichen Aufschwung und verhalf Görlitz zu einem Platz in der Reihe der großen preußischen StĂ€dte. Auf dem Platz des 17. Juni am Kaisertrutz erinnert eine Statue an ihn.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 10. Mai 1945 zunĂ€chst Alfred Fehler vom sowjetischen Stadtkommandanten als OberbĂŒrgermeister eingesetzt. Nach seinem Tod folgte noch im gleichen Jahr Walter Oehme kommissarisch im Amt. Im November 1945 fiel Oehme einer Intrige zum Opfer und musste das Amt wieder abgeben. Ihm wurden Korruption und Vetternwirtschaft in der Stadtverwaltung sowie Spionage und Sabotage vorgeworfen. Er wurde vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und war von 1950 bis 1956 in der Justizvollzugsanstalt Bautzen in Haft.

Der erste nach der Wende frei gewĂ€hlte OberbĂŒrgermeister war Matthias Lechner (CDU). Er wurde nach achtjĂ€hriger Amtszeit 1998 durch einen BĂŒrgerentscheid abgewĂ€hlt.cite-ref-109[109] Ihm folgten im Mai 1998 der ehemalige Professor Rolf Karbaumcite-ref-110[110] (parteilos) bis 2005 und Joachim Paulick (parteilos, BĂŒrgerbĂŒndnis zur Sache!) bis 2012.cite-ref-111[111]

Bei der OberbĂŒrgermeisterwahl am 22. April 2012 konnte Paulick sich nicht gegen seinen Herausforderer Siegfried Deinege (parteilos) behaupten. Deinege trat das Amt am 16. Juli 2012 an.cite-ref-112[112]cite-ref-113[113] Deinege wurde im Stadtrat durch sein WahlkampfbĂŒndnis aus BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, BĂŒrger fĂŒr Görlitz, CDU und FDP unterstĂŒtzt.

Am 16. Juni 2019 konnte sich im zweiten Wahlgang der CDU-Politiker Octavian Ursu mit 55,2 % der Stimmen gegen seinen Kontrahenten von der AfD (Sebastian Wippel) durchsetzen, der 44,8 % der Stimmen erhielt. Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent. Wippel hatte im ersten Wahlgang mit 36,4 % der Stimmen die relative Mehrheit erlangt. Die knapp hinter Ursu platzierte grĂŒne Landtagsabgeordnete Franziska Schubert hatte auf eine Teilnahme am zweiten Wahlgang verzichtet.cite-ref-114[114]

Haushalt

Die ordentlichen ErtrÀge der Stadt betrugen im Haushaltsjahr 2017 100,030 Millionen Euro.cite-ref-haushalt19-115-0[115]

Den ordentlichen ErtrĂ€gen standen im gleichen Haushaltsjahr 2017 94,592 Millionen Euro ordentlicher Aufwendungen entgegen. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht ĂŒber die Entwicklung des Schuldenstandes des kommunalen Haushaltes zwischen den Jahren 2006 und 2021.cite-ref-haushalt19-115-1[115]

| Schuldenstand des kommunalen Haushaltes jeweils am 31.12. [ 116 ] [ 117 ] [ 118 ] [ 119 ] [ 120 ] [ 121 ] [ 122 ] [ 123 ] [ 124 ] | Schuldenstand des kommunalen Haushaltes jeweils am 31.12. [ 116 ] [ 117 ] [ 118 ] [ 119 ] [ 120 ] [ 121 ] [ 122 ] [ 123 ] [ 124 ] | Schuldenstand des kommunalen Haushaltes jeweils am 31.12. [ 116 ] [ 117 ] [ 118 ] [ 119 ] [ 120 ] [ 121 ] [ 122 ] [ 123 ] [ 124 ] |
|---|---|---|
| Jahr | in 1000 € | je Einwohner |
| 2006 | 46.385 | 807 € |
| 2007 | 43.129 | 759 € |
| 2008 | 41.057 | 725 € |
| 2009 | 38.990 | 693 € |
| 2010 | 37.762 | 678 € |
| 2011 | 34.602 | 624 € |
| 2012 | 31.613 | 584 € |
| 2013 | 44.848 | 831 € |
| 2015 | 38.700 | 712 € |
| 2016 | 36.458 | 660 € |
| 2017 | 34.037 | 606 € |
| 2018 | 31.371 | 558 € |
| 2019 | 29.317 | 523 € |
| 2020 | 26.037 | 466 € |
| 2021 | 19.867 | 357 € |

Ende 2011 betrugen die kommunalen Schulden 624 Euro pro Einwohner.cite-ref-haushalt2011-118-1[118] Im gleichen Jahr verzeichnete der stĂ€dtische Haushalt einen Überschuss von etwa 4,6 Millionen Euro. Der Überschuss fiel durch höhere Einnahmen aus der Gewerbe- und Einkommensteuer im Vergleich zu den Vorjahren sehr hoch aus. Im Jahr 2009 betrug der Überschuss rund 600.000 Euro und im Jahr 2010 etwa 900.000 Euro.cite-ref-125[125]

Wappen

Blasonierung: Das Wappen der Stadt Görlitz ist gespalten; vorn in Gold ein doppelköpfiger schwarzer Adler, hinten in Rot auf silbernem Schildfuß stehend ein doppelschwĂ€nziger silberner Löwe mit goldener Krone, goldenen Klauen und blauer Zunge. Der Löwe hĂ€lt mit der rechten Vorderpranke sowie der linksgewendete Kopf des Adlers mit dem Schnabel eine goldene Kaiserkrone auf dem Spalt.

Der Schild trĂ€gt einen silbernen Stechhelm mit rotem Adlerflug und rotweißen Helmdecken, im Adlerflug steht wieder der weiße/silberne, gekrönte Löwe der linken SchildhĂ€lfte. Adlerflug und Helmdecken sind mit goldenen LindenblĂ€ttern bestreut. Die Stadtflagge/-fahne ist weiß-rot mit aufgelegtem Wappen.

Die Benutzung des Stadtwappens/Schmuckwappens ist dem OberbĂŒrgermeister und dem Stadtrat vorbehalten. Alle Behörden und Dienststellen der Verwaltung der Stadt fĂŒhren den Wappenschild. Weiterhin fĂŒhrt die Stadt Görlitz ein Stadtsignet, das aus dem Wappenschild des Wappens von 1433 besteht.

Das Wappen wurde am 29. August 1433 von Kaiser Sigismund als Zeichen seiner Anerkennung der Dienste der Stadt Görlitz im Hussitenkrieg verliehen. Die Verleihung eines Wappens war seinerzeit mit ungewöhnlichen Kosten verbunden. Der Adler steht fĂŒr das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und weist auf die Stadtanerkennung durch den Kaiser hin, der böhmische Löwe steht fĂŒr die Landeszugehörigkeit zu Böhmen, bevor Görlitz 1635 an das KurfĂŒrstentum Sachsen und nach dem Wiener Kongress 1815 an Preußen fiel.

Am 2. Oktober 1536 verlieh Kaiser Karl V. ein Wappen, dessen Schild viergeteilt war. Im ersten und vierten Feld stand der Reichsadler, im zweiten und dritten Feld der böhmische Löwe. Belegt ist dieses Wappen, das sich wegen der Rolle Karls 1547 im Oberlausitzer Pönfall nicht gegen die Variante von 1433 durchsetzen konnte, mit einem zweimal von Rot und Silber geteilten Schild des Hauses Österreich mit der Kaiserkrone. Es war allerdings noch bis 1945 parallel zum jetzigen in Gebrauch.

Flagge

Flagge der Stadt Görlitz (bis 1945)

Die alte Flagge der Stadt Görlitz war eine Rot-Weiße Bikolore mit dem Wappen der Stadt in der Mitte.

Flagge der Stadt Görlitz

Die Flagge zeigt die Farben Weiß und Rot im VerhĂ€ltnis 1 : 1 quergestreift, in der Mitte der Wappenschild der Stadt. Die Höhe des Flaggentuchs verhĂ€lt sich zur LĂ€nge wie 3:5.

StÀdtepartnerschaften

Görlitz unterhĂ€lt fĂŒnf StĂ€dtepartnerschaften:cite-ref-0-126-0[126]

‱ Frankreich Amiens, Frankreich, seit 1971
‱ Italien Molfetta, Italien, seit 1971
‱ Polen Zgorzelec (deutsch Görlitz), Polen, seit 1980
‱ Tschechien NovĂœ Jičín (deutsch Neu Titschein), Tschechien, seit 1981
‱ Deutschland Wiesbaden, Deutschland, seit 1990

Die jĂŒngste Partnerschaft mit der hessischen Landeshauptstadt Wiesbadencite-ref-0-126-1[126] entstand wĂ€hrend und nach der Wende als Hilfe zur Selbsthilfe mit UnterstĂŒtzung fĂŒr den Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung, mit finanziellen UnterstĂŒtzungen in einer Gesamthöhe von 4,4 Millionen DM und mit zahlreichen Sachspenden. So organisierten zum Beispiel die Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Hilfstransporte in das Görlitzer Klinikum. Auch die Busflotte der Görlitzer Verkehrsbetriebe wurde durch mehrere Ă€ltere Mercedes-Benz O 305 aus Wiesbaden verstĂ€rkt.cite-ref-127[127]

Zusammen mit den Gemeinden Selfkant, Oberstdorf und List auf Sylt bildet Görlitz den Zipfelbund. Dieser Bund ist keine politische Organisation, sondern vorrangig eine innerdeutsche Partnerschaft zur Belebung des Tourismus. Das erste Treffen aller BĂŒrgermeister dieser StĂ€dtepartnerschaft – am 9. und 10. Mai 1998 im Selfkant – wurde von dem Journalisten Hartmut Urban initiiert und organisiert. Nach diesem Treffen wurde anlĂ€sslich der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 1999 in Wiesbaden der Zipfelbund geschlossen. Wer es binnen vier Jahren schafft, alle diese Orte zu bereisen und sich das im Zipfelpass abstempeln lĂ€sst, wird mit einem Geschenkkorb geehrt. Dieser enthĂ€lt SpezialitĂ€ten aus allen teilnehmenden Regionen.cite-ref-128[128]

Europastadt Görlitz/Zgorzelec

1998 hat sich die Stadt zusammen mit der ehemals zu Görlitz gehörenden polnischen Stadt Zgorzelec zu einer Europastadt erklĂ€rt und den Namen Europastadt Görlitz/Zgorzelec gegeben.cite-ref-europastadt-5-1[5] Die Bezeichnung Europastadt ist keine offizielle Auszeichnung. Den nicht geschĂŒtzten Namen Europastadt legen sich StĂ€dte bei, die sich Europa verbunden fĂŒhlen. Vermarktet wird die Bezeichnung seit 2007 von der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (ohne Trennzeichen), einer 100%igen Gesellschaft der Stadt.cite-ref-europastadt-5-2[5]

SehenswĂŒrdigkeiten

Görlitz besitzt eine der am besten erhaltenen AltstÀdte Mitteleuropas.

FĂŒr das Jahr 2010 bewarben sich Görlitz und Zgorzelec gemeinsam als EuropĂ€ische Kulturhauptstadt. Dazu war eines der Schwerpunktprojekte die Entwicklung eines neuen Zentrums, des sogenannten „BrĂŒckenparks“. Entlang der Lausitzer Neiße werden beiderseits Objekte wie z. B. die Stadthalle, die Synagoge, die Hochschule und auf dem östlichen Neißeufer die Oberlausitzer Ruhmeshalle architektonisch zusammen mit weiteren Ideen zu einem Gesamtentwurf entwickelt. In mehreren Sommerprojekten haben sich bereits Studierende aus beiden LĂ€ndern Gedanken dazu gemacht. Es soll eine Art „Laboratorium“ entstehen, in dem europĂ€isches Denken und Handeln erprobt werden kann.

Der Studiengang Kultur und Management an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) sowie viele engagierte BĂŒrger und Unternehmen der Region unterstĂŒtzten die verbindende Idee der Kulturhauptstadt-2010-Bewerbung von Görlitz. Ein sichtbares Zeichen dieser UnterstĂŒtzung sind die fĂŒnf Flaggen, die auf der Landeskrone wehen. Zur Kulturhauptstadt 2010 wurde Essen gewĂ€hlt, Görlitz erreichte den zweiten Platz. Jurymitglieder betonten, dass die Entscheidung Ă€ußerst knapp war. In Essen wurde öffentlich die Einbindung einiger Görlitzer Projekte in das Kulturhauptstadt-Projekt vorgeschlagen. Durch ihre Bewerbung und das dahinterstehende Konzept erreichten Görlitz und Zgorzelec aber dennoch eine betrĂ€chtliche Steigerung ihres Bekanntheitsgrades im In- und Ausland. Im April 2009 wurde bekannt, dass Görlitz sich um den Titel UNESCO-Weltkulturerbe bewirbt.cite-ref-129[129] Damit wollte OberbĂŒrgermeister Joachim Paulick die LĂŒcke schließen, die entstand, nachdem das Dresdner Elbtal den Titel verlor.

StÀdtebau, Sanierung und Denkmalschutz

Görlitz gilt mit seinen rund 4000 DenkmĂ€lern als grĂ¶ĂŸtes FlĂ€chendenkmal Deutschlands, streng nach Denkmalrecht handelt es sich jedoch um die flĂ€chenhafte Verbreitung von EinzeldenkmĂ€lern. Unter den Denkmalen befinden sich sowohl profane als auch sakrale Bauwerke aus allen Stilepochen zwischen SpĂ€tgotik und Jugendstil.cite-ref-insek-6-1[6]

Durch den hohen Schutzstatus der vielen EinzeldenkmĂ€ler kommt es gelegentlich zu Konflikten mit den Erfordernissen einer modernen Stadtentwicklung, so geschehen zum Beispiel an der Zeppelinstraße, Ecke Heilige-Grab-Straße. Hier wurde der Denkmalschutz den wohnungswirtschaftlichen Belangen untergeordnet und die HĂ€userzeile abgerissen.cite-ref-insek-6-2[6]

Mitte der 1990er Jahre beschloss die Stadt eine Erhaltungssatzung nach dem Baugesetzbuch fĂŒr die Stadtteile Altstadt, Innenstadt, Nikolaivorstadt und SĂŒdstadt. In diesen Gebieten ist die Bausubstanz sowohl der EinzelgebĂ€ude als auch des stĂ€dtebaulichen Gesamtensembles geschĂŒtzt. Auch bei geplanten Neubauten in diesem Gebiet wird zuvor die Gestalt und deren Symbiose mit Bebauung der Umgebung sowie die Funktion und Wirtschaftlichkeit des Baus geprĂŒft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die DenkmĂ€ler außerhalb dieses Erhaltungsgebietes verzichtbar sind. Bei diesen wird ebenfalls vor einem Abriss oder Neubau der stĂ€dtebauliche Gesamtcharakter ĂŒberprĂŒft.cite-ref-insek-6-3[6]

Zusammen mit weiteren zehn ostdeutschen StĂ€dten wurde Görlitz zwischen 1990 und 1994 infolge des kritischen Zustandes der Bausubstanz und des schĂŒtzenswerten Altstadtkerns zur Modellstadt der Stadtsanierung. Im Anschluss daran wurden nach und nach Fördergebiete der Stadterneuerung und -sanierung eingerichtet. Diese bestehen großteils noch heute. Ziel dieser sich teilweise ĂŒberlappenden Teilgebiete ist die Revitalisierung und Weiterentwicklung der innen- bzw. kernstĂ€dtischen Bereiche. Es existieren die folgenden fĂŒnf Sanierungsgebiete:

Die Innenstadt Nord ist das erste Sanierungsgebiet und wurde 1991 festgelegt. Es gilt als weitgehend saniert.cite-ref-insek-6-4[6] Das zweite Sanierungsgebiet ist die Historische Altstadt. Es wurde 1994 beschlossen und entwickelt sich seitdem positiv. Zeichen fĂŒr die AttraktivitĂ€t dieses Gebietes sind die seit 1997 gegen den Trend zunehmende Einwohnerzahl, die im Durchschnitt jĂŒngsten Bewohner aller Stadtteile und die wachsenden GĂ€stezahlen. In diesem Sanierungsgebiet kann nur schwer eine Prognose zur Dauer der Sanierung gegeben werden, da es dort zahlreiche stĂ€dtebaulich markante und strukturell komplexe FĂ€lle, wie z. B. die HallenhĂ€user gibt.cite-ref-insek-6-5[6]

Ebenfalls 1994 legte man das Sanierungsgebiet Nikolaivorstadt fest. Das Sanierungsverfahren gilt in diesem Gebiet noch nicht abgeschlossen, da die prĂ€gende Gewerbebrache des ehemaligen Gaswerkes noch nicht revitalisiert werden konnte. Trotz allem haben sich bereits weite Bereiche des einst industriell geprĂ€gten Stadtteils zu einem gefragten innerstĂ€dtischen Wohngebiet entwickelt. Auch die ergĂ€nzenden Neubauten fĂŒgen sich neben der modernisierten Bausubstanz maßvoll in das stĂ€dtebauliche Bild.cite-ref-insek-6-6[6]

1997 wurde der westliche, von Gewerbebrachen geprĂ€gte Rand der grĂŒnderzeitlichen Innenstadt in die Förderkulisse aufgenommen. Dieses Sanierungsgebiet heißt offiziell GrĂŒnderzeitviertel Innenstadt West. Mitte der 1990er Jahre zeichnete sich eine verstĂ€rkte soziale, demographische und auch bauliche Abwertung dieses Gebietes ab. Durch zahlreiche sanierte GebĂ€udezĂŒge und Straßen sowie die Förderung von Gemeinbedarfseinrichtungen konnte dieser Trend weitgehend verhindert werden. Dennoch erfordert die Entwicklung dieses Areals noch Geduld und Beharrlichkeit.cite-ref-insek-6-7[6]

Das letzte Sanierungsgebiet Innenstadt Ost/BrĂŒckenpark umfasst die zentrale Innenstadt und die Bebauung entlang der Neiße zur Partnerstadt Zgorzelec.cite-ref-insek-6-8[6]

Die nötige Anpassung stĂ€dtebaulicher Strukturen an den demographischen Wandel ist das Ziel des Förderprogramms Stadtumbau Ost, das sich in die Teile RĂŒckbau und Aufwertung gliedert. Als RĂŒckbaugebiet wurde 2003 das gesamte Stadtgebiet erklĂ€rt. Dies geschah unter anderem aus der Überlegung, auch in der Innenstadt beispielsweise den Abriss von HinterhofgebĂ€uden zur Verbesserung des Wohnumfeldes förderfĂ€hig zu machen. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (InSEK) erklĂ€rt die Neubaugebiete Königshufen, Rauschwalde und WeinhĂŒbel zu Schwerpunktgebieten des RĂŒckbaus.cite-ref-insek-6-9[6]

Der Einsatz von StĂ€dtebaufördermitteln zwischen 1990 und 2004 zeigt eine Trendwende der Zuweisung der Mittel nach Stadtteilen. Entfielen im Zeitraum von 1990 bis 1996 noch 70,4 % der Fördermittel auf die Altstadt, so sind es in der gegenwĂ€rtigen Förderperiode nur noch 19,3 %. Das GrĂŒnderzeitgebiet vereint dagegen 78,9 % der Fördermittel auf sich. Man könnte durch diese Zahlen auf einen besonders schlechten Bauzustand der Altstadt Anfang der 1990er Jahre schließen, dies stimmt jedoch nicht. Die Zahlen sind Ausdruck einer Strategie, die Stadtstruktur von innen heraus zu erneuern.cite-ref-insek-6-10[6]

Mittlerweile gelten 70 % der WohngebĂ€ude in der Kernstadt als saniert und der Blickpunkt verschiebt sich dort nun zur Aufwertung des Wohnumfeldes der einzelnen Quartiere, die Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie die Ansiedlung und den Ausbau von Gemeinbedarfseinrichtungen, wie z. B. KindergĂ€rten. Dies geschah teilweise bereits mit dem Umbau von PlĂ€tzen (siehe z. B. Marienplatz) und Straßen (begonnener Umbau der Berliner Straße) sowie beispielsweise dem neuen Anbau an der Stadtbibliothek auf der Jochmannstraße oder der neuen KindertagesstĂ€tte auf der Mittelstraße.cite-ref-insek-6-11[6]

altstadtmillionDie Stadt und ihre DenkmalschĂŒtzer haben einen unbekannten Gönner, der seit 1995 jedes Jahr ĂŒber einen MĂŒnchener Anwalt genau 1.000.000 DM (ab 2002 511.500 €, 2016 abschließend 340.000 €) ĂŒberweisen ließ.cite-ref-130[130] Im Laufe der Jahre entstand in der Stadt der Begriff Altstadtmillion. Die Altstadtstiftung verwaltet das Geld und das Kuratorium fĂŒr Maßnahmen der Denkmalpflege vergibt es an Bauherren und Institutionen. Seit 2004 werden die so geförderten Objekte mit einer Plakette gekennzeichnet.cite-ref-131[131] Neben zahlreichen PrivathĂ€usern wurden auch Einrichtungen in öffentlicher TrĂ€gerschaft aus der Altstadtmillion unterstĂŒtzt, so etwa die „JugendbauhĂŒtte Görlitz“, der Tag des Offenen Denkmals in Görlitz, das Objektdepot der Denkmalschutzbehörde und das Kulturhistorische Museum.cite-ref-132[132] Insgesamt wurden bis Ende 2017 1651 AntrĂ€ge bewilligt.cite-ref-133[133]

In einem offenen Brief an den damaligen OberbĂŒrgermeister Joachim Paulick kritisierte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Wolfgang Illert, im Namen der Wissenschaftlichen Kommission der Stiftung die Planungen der Stadt Görlitz fĂŒr ein neues Einkaufszentrum auf dem Areal zwischen Salomonstraße und Berliner Straße. Die Aussagen des Investors, der Florana KG in Weimar, ließen „mangelnden Respekt vor dem Erhalt des baukulturellen Erbes erkennen“.cite-ref-pressemeldung-134-0[134] Die Florana KG plante auf dem betroffenen GrundstĂŒck in unmittelbarer BahnhofsnĂ€he einen Totalabriss, dem auch elf unter Denkmalschutz stehende GebĂ€ude zum Opfer fallen sollten.cite-ref-135[135] Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte laut ihrem GeschĂ€ftsfĂŒhrer auch die Mitarbeit in einem Gestaltungsbeirat abgelehnt, da sie die Entwicklungen „aus einer unabhĂ€ngigen Position kritisch begleiten“ wollte.cite-ref-pressemeldung-134-1[134]

Schon im Januar 2012 hatte der Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Horst von Bassewitz, in der SĂ€chsischen Zeitung vor diesem „radikale[n] Umgang mit der Bausubstanz“cite-ref-welterbestreit-136-0[136] gewarnt. Ebenso wie die Stiftung lehnten das Landesamt fĂŒr Denkmalpflege des Freistaates Sachsen sowie die Denkmalschutzbehörde der Stadt Görlitz die Planungen zum Neubau des Einkaufszentrums ab.cite-ref-137[137]

Die Berliner Straße war als Hauptachse vom Bahnhof zum Stadtzentrum eine belebte GeschĂ€ftsstraße gewesen. Nach der Wende „sicherten sich umstrittene Immobilienhaie die GrundstĂŒcke auf der einstigen Prachtstraße und verhinderten damit jede Entwicklung.“cite-ref-138[138] Das Landratsamt Görlitz plant, einen Verwaltungscampus auf den ehemaligen Florana-GrundstĂŒcken zu errichten. Hinter den historischen Fassaden sollen moderne ArbeitsrĂ€ume entstehen und im Erdgeschoss soll neuen GeschĂ€ften Raum gegeben werden.

Profanbauten

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Hauptartikel

:

Liste der Kulturdenkmale in Görlitz

,

Liste der Brunnen, DenkmÀler und Skulpturen in Görlitz

und

Liste von SehenswĂŒrdigkeiten in Görlitz

Görlitz ĂŒberstand den Zweiten Weltkrieg fast ohne Zerstörungen und besitzt mit zahlreichen historischen, teilweise denkmalgeschĂŒtzten Bauwerken eine der besterhaltenen AltstĂ€dte Europas. Die Altstadt und die Nikolaivorstadt sind ĂŒberwiegend von Bebauung aus der SpĂ€tgotik sowie aus der Zeit der Renaissance und des Barock geprĂ€gt.

In der Nikolaivorstadt befindet sich außerhalb der alten Stadtmauern das Scharfrichterhaus mit dem Finstertor. Es ist das einzige vollstĂ€ndig erhaltene Fachwerkhaus der Stadt. Das Haus ist auf 1666 datiert und wurde komplett saniert. Die Faschen der HoftĂŒr sind mit Sgraffitos versehen, genauso wie die Eckquaderung an der Außenwand des Erdgeschosses. Eine Sandsteintafel erinnert an Lorenz Straßburger, den Scharfrichter von Görlitz, der in diesem Haus lebte. Das Haus wird von der JugendbauhĂŒtte Görlitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz genutzt.

Das Ă€lteste profane GebĂ€ude der Stadt ist das Waidhaus, auch Renthaus genannt. Es wurde 1131 erbaut und war im 15. Jahrhundert der Aufbewahrungsort und Stapelplatz fĂŒr die TuchfĂ€rbepflanze Waid. Bis 1426 verfĂŒgte das GebĂ€ude noch ĂŒber einen Turm. Von 1447 bis 1530 wurde das Haus als Schule genutzt. Am Giebel wurde die noch heute lesbare Inschrift „Nil actum creades, cum quid restabit agendum 1479“ angebracht,cite-ref-139[139] die an ein schweres Feuer im Jahr 1479 erinnert.cite-ref-140[140] Heute ist es Sitz des Fortbildungszentrums fĂŒr Handwerk und Denkmalpflege e. V.

SĂŒdlich des Waidhauses verlĂ€uft die Neißstraße, sie ist Teil der alten Via Regia und das östliche Tor zur Altstadt. Neben dem Biblischen Haus, dessen Sandsteinfassade Illustrationen aus dem Alten und Neuen Testament zeigt, befindet sich das Barockhaus Neißstraße 30, das ehemalige Gesellschaftshaus der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften (OLGdW) mit dem historischen Saal der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften (OLB). Das Haus aus der Barockzeit war damals das bedeutendste Wohn- und Handelshaus in Görlitz und der Oberlausitz. Es wurde 2011 komplett saniert.cite-ref-141[141]

Am westlichen Ende der Neißstraße öffnet sich der Untermarkt, der durch seine Renaissancefassaden geprĂ€gt ist. Er wird gesĂ€umt von einem stadtspezifischen Haustyp, dem Hallenhaus, vor geschlossenen LaubengĂ€ngen. Der bekannteste Vertreter dieses Typs ist der Schönhof, erbaut 1525 durch Wendel Roskopf. Er gilt als das Ă€lteste bĂŒrgerliche RenaissancegebĂ€ude Deutschlands.cite-ref-bauwerke-untermarkt-142-0[142] Ebenfalls auf dem Untermarkt befindet sich die markante Ratsapotheke mit den beiden Sonnenuhren von Zacharias Scultetus. Der gotische Kern des GebĂ€udes wurde 1558 im Stil der Renaissance ĂŒberformt.cite-ref-bauwerke-untermarkt-142-1[142] Die Zeiger werfen ihre Schatten auf verschiedenfarbige Linien, die verschiedene Zeitskalen verdeutlichen, die sogenannten bĂŒrgerlichen, die italienischen und die babylonischen Stunden.cite-ref-143[143]

Im Zentrum des Untermarktes befindet sich die sogenannte Zeile. Diese wurde ĂŒber die Jahrhunderte immer wieder baulich verĂ€ndert und besteht heute aus einem zusammenhĂ€ngenden HĂ€userblock. Sie beherbergte damals HĂ€ndler und KrĂ€mer und bot unter den LaubengĂ€ngen Platz um Waren anzubieten. Der einst fachwerklich geprĂ€gte Teil auf der nördlichen Seite der Zeile wurde 1706 durch ein neues VerwaltungsgebĂ€ude ersetzt, der sogenannten Börse. Kaufleute hielten dort wöchentlich ihre ZusammenkĂŒnfte ab. Das GebĂ€ude wird heute als Hotel genutzt.cite-ref-144[144]

Auf der gesamten Westfront des Untermarkts befindet sich das Rathaus. Es wurde 1369 als Ort der stÀdtischen Verwaltung in Betrieb genommen und dient diesem Zweck noch heute. Die Uhr des Rathausturms hat zwei ZifferblÀtter, von denen das untere eine Zwölfstundenuhr ist mit einem MÀnnerkopf, dessen Kinnlade zu jeder vollen Minute nach unten klappt. Die obere Uhr zeigt den Tag, die Stunde und die Mondphase an.cite-ref-bauwerke-untermarkt-2-145-0[145] Im Stil der Neorenaissance wurde 1903 der nördliche Teil des Rathauses, das Neue Rathaus, fertiggestellt. Der Neubau wurde ebenfalls mit LaubengÀngen versehen. Die Fassade zieren die sechs Wappen der StÀdte des Oberlausitzer SechsstÀdtebundes.

Vom Untermarkt in Richtung Westen gelangt man ĂŒber die BrĂŒderstraße zum Obermarkt. Auch dort befinden sich Renaissance- aber auch Barockfassaden. Alle HĂ€user an der nördlichen Seite sind durch den Barock geprĂ€gt. UrsprĂŒnglich wurde der Obermarkt als HandelsflĂ€che fĂŒr GewĂŒrze, im Speziellen Salz, genutzt. Es wurde im Salzhaus gelagert, das gegen 1424 erstmals erwĂ€hnt wurde. Es stand zentral auf dem Markt und reichte von der EinmĂŒndung der Steinstraße bis zur BrĂŒderstraße. Im Jahr 1851 wurde das Salzhaus abgerissen. In dem Barockhaus 29 wohnte 1813 der französische Feldherr Napoleon Bonaparte und wohnte vom Balkon einer MilitĂ€rparade auf dem Platz bei. Seitdem wird es im Volksmund auch Napoleonhaus genannt.

An der Westseite grenzt der Obermarkt an den Platz des 17. Juni, auf dem der Kaisertrutz steht. 1427 entstand diese Anlage als Teil des Reichenbacher Tores. Er war in den Befestigungswall integriert und so mit dem Reichenbacher Turm verbunden. Erst 1848 wurden die Mauern entfernt. Der Kaisertrutz diente dann als Hauptwache der preußischen Garnison. Heute ist er Teil des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Neben dem Reichenbacher Turm gehören auch der Nikolaiturm und der Frauenturm, umgangssprachlich auch Dicker Turm genannt, zu den drei erhaltenen von ehemals vier WehrtĂŒrmen. Die Ochsenbastei und der Nikolaizwinger sind die einzigen beiden erhaltenen Teile des doppelten Görlitzer Stadtmauerrings. Die Hotherbastei ist die letzte Eckbastei der Stadtmauer.

Vom Obermarkt der Steinstraße sĂŒdwĂ€rts folgend gelangt man in die GrĂŒnderzeit- und Jugendstilviertel der Innenstadt. WĂ€hrend der Jahrhunderte verschob sich das Zentrum weiter gen SĂŒden bis zur Berliner Straße. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele StraßenzĂŒge diesem Trend angepasst. 1913 wurde das Kaufhaus Görlitz am Demianiplatz als Grand Bazar zum Strauß nach PlĂ€nen des Architekten Carl Schmanns eröffnet. Es entstand nach dem Muster des Kaufhauses Wertheim in Berlin. 1984 begannen die Restaurierungen an der Außenfassade. Im Inneren hat das Kaufhaus freihĂ€ngende Treppen und aus Echtholz geschnitzte GelĂ€nder. Auch das verzierte Glasdach gehört zu den Besonderheiten dieses GebĂ€udes. Zusammen mit dem Lichthof ermöglicht es einen großen Lichteinfall in das gesamte GebĂ€ude. An den tragenden SĂ€ulen befinden sich Jugendstilornamente. Riesige, reich geschmĂŒckte Kronleuchter hĂ€ngen von der Decke herab. Seit 2009 steht das Kaufhaus weitgehend leer.

Bereits 1887 grĂŒndete Otto Straßburg die heute nach ihm benannte Straßburg-Passage an der Berliner Straße. Sie trug anfangs den Namen SpezialgeschĂ€ft fĂŒr Leinen- und Baumwollwaren, Gardinen, Geraer Kleiderstoffe sowie Aussteuerartikel aller Art. 1908 wurde die Passage als Durchgang erweitert. Den Besuchern war es nun möglich, zwischen der Berliner- und der parallel laufenden Jakobstraße zu wechseln. Folgt man der Berliner Straße weiter sĂŒdlich, gelangt man zum Bahnhof Görlitz. Bereits am 1. September 1847 wurde der erste Bahnhof in Görlitz mit zwei Gleisen eröffnet.cite-ref-146[146] Die nach Osten verlaufenden Gleise fĂŒhren zum 1847 eröffneten Neißeviadukt. Von 1906 bis 1917 wurde der Bahnhof komplett umgebaut. In der DDR-Zeit wurde das GebĂ€ude 1984 unter Denkmalschutz gestellt. Die Bahnhofshalle weist zehn große Fenster auf, jeweils fĂŒnf auf der Nord- und der SĂŒdseite. Zusammen mit den imposanten Deckenleuchter versorgen sie die Halle mit Licht. Die dreischiffige Bahnhofshalle ĂŒberspannt die Bahnsteige II–IV mit den Gleisen 7 bis 12. Lediglich der Bahnsteig I mit den Gleisen 3 und 4 liegt außerhalb der Bahnsteighalle und hat eine separate BahnsteigĂŒberdachung. Nur die Gleise 7 bis 12 dienen noch dem Personenverkehr.

Am westlichen Rand der Altstadt wurde 1906 mit dem Bau einer Musikhalle fĂŒr die Schlesischen Musikfestspiele begonnen. Sie wurde am 27. Oktober 1910, zwei Jahre spĂ€ter als ursprĂŒnglich geplant, als Stadthalle mit einem großen Konzertsaal, dem Bankettsaal, dem Konzertgarten und einer GaststĂ€tte eröffnet. Etwa 2200 GĂ€ste nahmen an den Feierlichkeiten teil. Der Große Saal bietet 1400 GĂ€sten Platz. Die Stadthalle ist die grĂ¶ĂŸte Konzerthalle zwischen Berlin, Prag, Dresden und Breslau. Seit 1. Januar 2005 ist sie wegen notwendiger Sanierung geschlossen.

Neben der auf der Neißstraße in der Altstadt befindlichen Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften gibt es noch weitere Bibliotheken in Görlitz. 1876 entstand im Waisenhaus in der Annengasse die Görlitzer Stadtbibliothek mit dem Ziel, das Volk zu bilden und das gesammelte Wissen zu verbreiten. Bereits im Jahr 1902 gab es ĂŒber 475 registrierte Mitglieder, denen 4700 BĂŒcher zur VerfĂŒgung standen.cite-ref-stabi-alt-147-0[147] Ab 1905 entstand der Bibliotheksbau im Jugendstil auf der Jochmannstraße. Der damalige OberbĂŒrgermeister Georg Snay eröffnete 1907 den Neubau als StĂ€dtische VolksbĂŒcherei und Lesehalle. Sie bot den 1311 registrierten Lesern im ersten Jahr 150 PlĂ€tze.cite-ref-stabi-neu-148-0[148]

Außerhalb der Innenstadt, im heutigen Stadtteil Biesnitz, befindet sich die Scultetus-Sternwarte. BartholomĂ€us Scultetus, BĂŒrgermeister, Astronom und Lehrer am Gymnasium Augustum, war Namensgeber der Einrichtung. UrsprĂŒnglich wurde am 15. Oktober 1856 ein Sternwartenturm an dem am Klosterplatz gelegenen Augustum eingeweiht. Ab den 1960er Jahren wurde mit dem erweiterten Aufgabengebiet des Observatoriums und der wachsenden Ausleuchtung der Innenstadt ein Umzug aus der Stadt beschlossen. In den Jahren von 1967 bis 1989 wurde ein neues Observatorium erbaut. In dem darin befindlichen Planetarium können unter einer Kuppel mit einem Durchmesser von acht Metern 40 bis 60 Besucher einen kĂŒnstlichen Sternhimmel beobachten. Das etwa 3000 mÂČ große GelĂ€nde verfĂŒgt ĂŒber zwei Beobachtungsstationen mit abfahrbaren DĂ€chern. Zwei Teleskope mit Spiegeldurchmessern von 40 und 15 cm sind in den Kuppeln des HauptgebĂ€udes untergebracht.

Einer der jĂŒngsten Neubauten ist die am 20. Oktober 2004 eröffnete AltstadtbrĂŒcke. Sie entstand leicht versetzt zu der BrĂŒcke, die im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht auf dem RĂŒckzug gesprengt worden war. Baubeginn war der 28. April 2003. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 2.659.100 Euro. Sie dient als FußgĂ€ngerĂŒberweg nach Polen.

Sakralbauten

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Kirchen in Görlitz

Die Nikolaikirche, deren Grundmauern sich bis ins Jahr 1100 datieren lassen, ist die Ă€lteste Kirche der Stadt. Sie lag außerhalb des mittelalterlichen Mauerrings, ebenso wie die angrenzende Nikolaivorstadt, die wegen dieser Kirche als Ă€ltester Siedlungskern von Görlitz angesehen wird. Die Errichtung des heutigen GebĂ€udes begann 1452, ging aber zunĂ€chst schleppend voran, da die Fertigstellung der Kirche St. Peter und Paul Vorrang hatte. Vollendet wurde der Bau der Nikolaikirche von dem Görlitzer Baumeister Wendel Roskopf als dessen letztes spĂ€tgotisches Bauwerk. Geweiht wurde sie 1520. Allerdings wurde sie wohl nie als Pfarrkirche genutzt, wegen der NĂ€he von St. Peter und Paul. Im DreißigjĂ€hrigen Krieg wurde die Kirche 1642 zerstört, kurz nach Kriegsende 1649 wieder aufgebaut. Nach einem Brand im Jahr 1717 baute man die Kirche um und zog eine Flachdecke in das Kirchenschiff ein. Diese wurde erst im frĂŒhen 20. Jahrhundert wieder entfernt und 1925/26 von Martin Elsaesser mit einem expressionistischen Deckengewölbe ausgestattet.cite-ref-149[149] Direkt an die Nikolaikirche grenzend liegt der Nikolaifriedhof. Die GrĂ€ber und GrĂŒfte stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Sie lassen sich stilistisch dem Manierismus, dem Barock und Rokoko sowie dem Klassizismus zuordnen.

Im Norden der ummauerten Altstadt, sĂŒdlich nur des Vogtshofes, befindet sich die Pfarrkirche St. Peter und Paul, umgangssprachlich Peterskirche, eine fĂŒnfschiffige spĂ€tgotische Kirche, die zwischen 1425 und 1497 erbaut wurde. Sie ist die grĂ¶ĂŸte spĂ€tgotische Hallenkirche Sachsens.cite-ref-150[150] Ihre TĂŒrme prĂ€gen das Bild der Altstadt, weshalb sie als eines der Wahrzeichen von Görlitz gilt.

Bereits in den Jahren zwischen 1234 und 1245 wurde vor den Toren der Stadt, am heutigen Obermarkt, die Dreifaltigkeitskirche errichtet. Die Mönche des Franziskanerordens nutzten sie anfangs als Klosterkirche. 1715 wurde sie der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet und dient als evangelisches Gotteshaus. Heute dient der Bau als Teil des Augustum-Annen-Gymnasiums.

In Richtung SĂŒdwesten, wo die Altstadt in das GrĂŒnderzeitviertel ĂŒbergeht, wurde 1349 die SĂŒhnekirche Unserer Lieben Frauen errichtet. Als sie in den Hussitenkriegen 1429 zerstört wurde, wurde die Frauenkirche als dreischiffige Hallenkirche mit langgestrecktem Chor und spĂ€tgotischer Einwölbung errichtet. Bis 1831 war dieser spĂ€tgotische Bau von einem Friedhof umgeben dessen GrĂ€ber heute noch teilweise erhalten sind.

SĂŒdlich des Bahnhofs wurde am 6. Oktober 1900 die Kathedrale St. Jakobus konsekriert. Der neogotische Bau dauerte von 1898 bis 1900 und wurde komplett in Ziegelbauweise gefertigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschĂ€digt. Bis 2012 sollten die vier kleinen NebentĂŒrmchen, die Dachaufbauten und das Fries aus gelben und roten Dachziegeln rekonstruiert worden sein.cite-ref-151[151] Sie ist die Hauptkirche Bistum Görlitz. Die Fertigstellung erfolgte schließlich im FrĂŒhjahr 2016.cite-ref-152[152] Mit der inneren Instandsetzung und Sanierung der Bischofskirche von 2020 bis 2021 konnten die letzten KriegsschĂ€den beseitigt werden.cite-ref-153[153]

Ebenfalls in der Innenstadt befindet sich die 1901 geweihte Lutherkirche. Sie ist der erste evangelische Kirchenneubau, der nach der Reformation in Görlitz geweiht wurde. Der Grundstein wurde am 10. November 1898, zum Geburtstag Martin Luthers, gelegt. Stilistisch nimmt der Bau Bezug auf die Kaiserdome am Rhein und ist im neoromanischen Stil gehalten. Die Fassade besteht aus roten Ziegeln mit verschiedenfarbigen Dekoreinlagen aus Glasursteinen. Besonders auffÀllig sind ihre reich verzierten Fenster.

Einen Eindruck von der Bedeutung der jĂŒdischen Gemeinde vor 1933 vermittelt die Synagoge in der NĂ€he des Stadtparks. Sie wurde von 1909 bis 1911 erbaut und ist die einzige im heutigen Sachsen, die die Pogromnacht 1938 unzerstört ĂŒberstanden hat. Sie ist heute eine StĂ€tte der Begegnung und des Lernens.

Von erheblicher kunsthistorischer Bedeutung ist der Nachbau des Heiligen Grabes von Jerusalem von 1504. Er ist gemeinsam mit dem nachgebildeten Kreuzweg eine beliebte PilgerstÀtte. Es befindet sich am nordwestlichen Rand der Altstadt.

GedenkstÀtten

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Liste der Brunnen, DenkmÀler und Skulpturen in Görlitz

Im Jahre 1988 wurde an der Synagoge Otto-MĂŒller-Straße 3 zur Erinnerung an die jĂŒdischen Opfer der Shoa sowie die VerwĂŒstung des Gotteshauses bei den Novemberpogromen 1938 eine Gedenktafel angebracht. Ein Mahnmal auf dem JĂŒdischen Friedhof an der Biesnitzer Straße erinnert an 323 KZ-HĂ€ftlinge aus dem Außenlager Görlitz des KZ Groß-Rosen. FĂŒr die italienischen MilitĂ€rinternierten, die wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges Opfer der Zwangsarbeit wurden, wurde ein Gedenkstein auf dem StĂ€dtischen Friedhof errichtet. Die Gedenktafel am linken FlĂŒgel des Gerichtes auf dem Postplatz erinnert an die Opfer des Volksaufstandes am 17. Juni 1953. Das Denkmal aus dem Jahr 1948 am Wilhelmsplatz (zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Platz) ist allen Opfern des Faschismus gewidmet. Eine weitere Tafel erinnert an der ehemaligen Tuchfabrik Hossner, an der Neiße im Stadtteil WeinhĂŒbel (bis 1936 Leschwitz) an die Opfer eines 1933 fĂŒr annĂ€hernd 1300 HĂ€ftlinge dort eingerichteten Schutzhaftlagers. FĂŒr den KĂŒnstler Johannes WĂŒsten, der 1943 im Zuchthaus in Brandenburg-Görden verstarb, sind Gedenktafeln an den HĂ€usern Johannes-WĂŒsten-Straße 7 und 23 sowie PortrĂ€tbĂŒsten in der StĂ€ndigen Ausstellung der Kunstsammlungen und an der Straßenecke Johannes-WĂŒsten-Straße zur Curie-Straße angebracht worden. Die Gedenktafel am Haus Bismarckstraße 32 erinnert an den sozialdemokratischen Politiker Rudolf Breitscheid, der 1944 im KZ Buchenwald ums Leben kam. An seinem Geburtshaus Konsulstraße 1 brachte man fĂŒr den antifaschistischen Gewerkschafter Kurt Steffelbauer, der 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet wurde, eine Tafel an. Eine weitere Gedenktafel erinnert an den kommunistischen WiderstandskĂ€mpfer Herbert Balzer, der 1945 von SS-MĂ€nnern ermordet wurde. Sie befindet sich am Haus James-von-Moltke-Straße 7.

Oldtimer-Parkeisenbahn

Die Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn wurde 1976 als elfte Pioniereisenbahn der DDR errichtet. Ihr auf einer Spurweite von 600 mm fahrender Zug ist eine Nachbildung der ersten deutschen Eisenbahn von 1835 nebst dessen Lokomotive Adler. Zur Eröffnung nahmen etwa 70 Görlitzer SchĂŒler die TĂ€tigkeit in der neuen Arbeitsgemeinschaft des Pionierhauses auf. FĂŒr die eisenbahntechnische UnterstĂŒtzung stellte die Deutsche Reichsbahn immer wieder Mitarbeiter zur UnterstĂŒtzung frei, bis 1990 wurden die LokfĂŒhrer vom Bahnbetriebswerk Görlitz gestellt.

Parks

Der Görlitzer Naturschutz-Tierpark ist ein anspruchsvoll gestaltetes naturnahes Ensemble. In zum Teil durch die Besucher begehbaren Gehegen leben ĂŒber 500 Tiere wie Kleine Pandas, Fischotter oder Yaks. Mit seiner fĂŒnf Hektar großen FlĂ€che gehört er zu den kleineren Zoos in Deutschland. Im Jahr 2007 feierte der Park seinen 50. Geburtstag und konnte erstmals seit zehn Jahren mehr als 100.000 Besucher verzeichnen.cite-ref-154[154]

In der NĂ€he der Stadthalle befindet sich der Stadtpark, dessen besondere Anziehungspunkte ein großer Holzspielplatz und der Meridianstein fĂŒr den 15. Grad östlicher LĂ€nge sind. Außer dem Stadtpark existieren in der Alt- und Innenstadt noch zahlreiche weitere GrĂŒnanlagen, z. B. das WeinberggelĂ€nde, das sich entlang der Neiße von der ObermĂŒhle im Norden vorbei am Neißeviadukt bis hin zur Weinlache im SĂŒden zieht, der Ölberggarten am Heiligen Grab sowie die GrĂŒnanlagen im Nikolai- und Ochsenzwinger. Auch in den umgebenden Stadtteilen gibt es grĂ¶ĂŸere GrĂŒnanlagen, so z. B. das BirkenwĂ€ldchen zwischen Rauschwalde und der SĂŒdstadt, den Kreuzkirchenpark in der SĂŒdstadt, das Kidrontal in Königshufen sowie den Loenschen Park zwischen Biesnitz, Kunnerwitz und WeinhĂŒbel.cite-ref-155[155]

Etwa 17 Kilometer nördlich von Görlitz liegt die Kulturinsel Einsiedel. Sie stellt eine Verbindung von Kunst, Kultur und Natur dar. Auf dem detailliert gestalteten Abenteuerspielplatz befinden sich Tunnels, KlettergerĂŒste und ein großes Piratenschiff. Im Jahr 2005 wurde ein Hotel auf der Kulturinsel eröffnet. Es besteht aus mehreren BaumhĂ€usern in acht bis zehn Meter Höhe.

Die Landeskrone

Das Wahrzeichen von Görlitz, die Landeskrone, ist ein 420 m hoher Basaltkegel vulkanischen Ursprungs. Sie ist die einzige namhafte Erhebung im Umkreis von Görlitz. Von der Landeskrone eröffnet sich ein weiter Blick ĂŒber das Lausitzer Bergland bis hin zum Zittauer Gebirge und bei guter Sicht bis zum Riesengebirge mit der Schneekoppe. Eine erste Bebauung geht auf die Bronzezeit zurĂŒck. Es folgten eine frĂŒhmittelalterliche und eine hochmittelalterliche Burganlage mit Siedlung. Hinter bis zu acht Meter dicken Steinmauern einer Wallanlage siedelten Handwerker und HĂ€ndler der Slawen. Der böhmische Herzog Othelrich eroberte 1015 diese Hauptburg und nahm eintausend der Verteidiger gefangen.cite-ref-156[156]

Auf dem SĂŒdgipfel steht seit 1901 die 13 m hohe BismarcksĂ€ule zu Ehren von FĂŒrst Otto von Bismarck, der EhrenbĂŒrger der Stadt Görlitz ist. Die erste kleine Gastwirtschaft eröffnete 1844 auf dem Berg. Der grĂ¶ĂŸere Nachfolgebau von 1863 brannte 1946 nieder. Erst 1951 entstand die heutige Gipfelbebauung, in die nach der letzten Sanierung 1994 eine GaststĂ€tte und das Burghotel einzog.cite-ref-157[157]

Die Stadt erwarb die Landeskrone 1440 von adligen Vorbesitzern und holzte die BĂ€ume auf dem Berg nahezu komplett ab. Erst 1840 legte man die heutige Lindenallee an, die am Fuße der Landeskrone beginnt. Die Lindenallee fĂŒhrt in 178 Stufen aufwĂ€rts bis zur Fahrstraße, die wiederum bis zum Gipfel fĂŒhrt. Der restliche Bergsockel wurde 1883 mit Rotbuchen bepflanzt. Der so mit der Zeit entstandene dichte Laubwald am Berg wurde 1953 zum Naturschutzgebiet erklĂ€rt.cite-ref-158[158] Es gehört zum FFH-Gebiet Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz.cite-ref-159[159]

Kultur

Im Bereich der Kultur ist die DenkmalAkademie e. V. zu nennen. Das Görlitzer Fortbildungszentrum fĂŒr Handwerk und Denkmalpflege e. V., das seinen Sitz im ehemaligen Waidhaus hat, widmet sich der Pflege und Erhaltung der Altstadt. Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz e. V. sammelt und verwahrt das Wissen der Oberlausitz. Der Verein Berzdorf–Oberlausitz e. V. grĂŒndete sich im Oktober 2001 in Görlitz. Ziel des Vereins ist die Erhaltung der Geschichte des Tagebaus Berzdorf fĂŒr die Nachwelt.

Am 12. Juli 2021 wurde die Görlitzer Synagoge nach langjĂ€hriger Sanierung als Kulturforum sowohl fĂŒr kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte und Lesungen im Kuppelsaal und auch als Gebetsraum in der Wochentagssynagoge wieder eröffnet.cite-ref-synagoge2021-104-1[104]

Theater

In den 1820er Jahren fanden in einem privaten Veranstaltungsraum in der Neißstraße TheaterauffĂŒhrungen statt, der 1838 von einem BĂŒrger umgebaut und 1846 wegen mangelhaften Brandschutzes fĂŒr Theaterzwecke polizeilich geschlossen wurde. Am 1. MĂ€rz 1850 beschlossen die Stadtverordneten den Bau eines öffentlichen Theaters.cite-ref-160[160] Das Theater Görlitz wurde 1851 am Demianiplatz erbaut und 1927 erweitert. Gerhart Hauptmann (1862–1946) war hĂ€ufiger Gast in Görlitz und schon einmal bis 1988 Namenspatron des Theaters. Am 1. Januar 2011 fusionierte das Theater Görlitz mit dem Theater in Zittau. Die gemeinsame Gesellschaft trĂ€gt den Namen Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH. 2002 wurde der Zuschauerraum rekonstruiert und mit moderner Technik ausgestattet, die auch simultane Übersetzungen zulĂ€sst. Seit September 2002 ist auch die ursprĂŒnglich der Altstadt zugewandte Nordfassade wiederhergestellt. Im Theater finden UrauffĂŒhrungen statt, die eigens dafĂŒr geschrieben wurden, beispielsweise die Oper Tod eines Bankers, das Musical Radio Babylon und die Moritz-Eggert-Oper Linkerhand. Gemeinsam mit der Neuen Lausitzer Philharmonie werden Werke aller Genres (Oper, Operette, Musical, Tanz, Schauspiel) aufgefĂŒhrt.

Das Haus bietet neben den Philharmonischen Konzerten ein komplettes Dreispartenprogramm mit Musiktheater, Tanz und Schauspiel an.

Neben dem großen Haus, das auch Kleine Semperoper genannt wird, bespielt das Theater seit 1999 eine kleinere StudiobĂŒhne, das Apollo.

Museen

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Görlitzer Museen

Verschiedene Museen stellen Exponate zur Geschichte, zu Kunst und Natur aus. Die Görlitzer Sammlungen fĂŒr Geschichte und Kultur, bestehend aus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften und dem Kulturhistorischen Museum Görlitz sind die grĂ¶ĂŸte stĂ€dtische Kultureinrichtung. Sie umfassen mehrere denkmalgeschĂŒtzte GebĂ€ude (Barockhaus Neißstraße 30, Kaisertrutz, Reichenbacher Turm) und prĂ€sentieren in Dauer- und Sonderausstellungen Kunstwerke und KulturschĂ€tze aus der Region sowie kunst- und wissenschaftsgeschichtliche Sammlungen.

Das Senckenberg-Museum fĂŒr Naturkunde ging aus der 1811 gegrĂŒndeten Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz hervor. Sein Ausstellungsschwerpunkt ist der Naturraum Oberlausitz. Dazu gehören allgemeine HinfĂŒhrungen, wie etwa zu geologischen Formationen, oder Lebensformen afrikanischer Savannen, Ă€hnlich wie regionale Lebensgemeinschaften mit typischen Pflanzen und Tieren, die in Dioramen prĂ€sentiert werden. Hinzu kommt ein Lebendtierbereich. Durch das Treppenhaus zieht sich das dreißigfach vergrĂ¶ĂŸerte Modell einer BodensĂ€ule, das Einblick in diesen Lebensraum bietet. DarĂŒber hinaus gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Evolutionsforschung. FĂŒr die Dauerausstellungen wird ein AudiofĂŒhrersystem in Deutsch, Englisch und Polnisch angeboten.

Im Schlesischen Museum wird seit 2006 eine Dauerausstellung zu tausend Jahren schlesischer Geschichte gezeigt.

Mit dem Tagebauschaufelradbagger Nr. 1452 und der Ausstellung zur Geschichte des Braunkohlen-Abbaues im Tagebau Berzdorf von 1835 bis 2000 im Bahnhof Hagenwerder wurde ein technisches Denkmal gesetzt.

Das Museum der Fotografie unter der Regie der Gesellschaft fĂŒr das Museum der Fotografie Görlitz e. V. gibt einen Einblick in die Geschichte und Kunst des Fotografierens.

Musik

Zusammen mit der Hochschule fĂŒr Kirchenmusik finden in der Oberlausitz Orgelkonzerte statt, unter anderem auch in Görlitzer Kirchen, in denen die restaurierten Orgeln zum Einsatz kommen. Das Orchester der Neuen Lausitzer Philharmonie ist eine der bedeutendsten Einrichtungen der Region Oberlausitz/Niederschlesien. Es bietet Kammer- und Sinfoniekonzerte und ist Teil aller Inszenierungen des Theaters Görlitz. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Musik der Sorben. Die Landskron-Herolde entstanden 1996 zur 925-Jahr-Feier der Stadt Görlitz. Sie bilden einen Zug mit Görlitzer Fanfarenmusik zu festlichen AnlĂ€ssen. Der Regiments-Spielmannszug wurde 1969 gegrĂŒndet und spielt bei festlichen AnlĂ€ssen und Großveranstaltungen Spielmannsmusik und neuzeitliche MusikstĂŒcke.

Sport

Von den zahlreichen Sportvereinen seien erwĂ€hnt die seit 1377 nachweisbare Görlitzer SchĂŒtzengilde, sowie der in der Landesliga Sachsen spielende Sport- und Fußballverein NFV Gelb-Weiß Görlitz 09 und der Handballverein SV Koweg Görlitz e. V., dessen 1. Frauenmannschaft in der Oberliga Mitteldeutschland und die 1. MĂ€nnermannschaft in der Sachsenliga spielt. Letzterer hatte in der Saison 2009/2010 seinen bisher grĂ¶ĂŸten Erfolg, da alle drei MĂ€nnermannschaften sowie die 2. Frauenmannschaft einen Aufstieg in höhere Ligen verbuchen konnten. Der mitgliederstĂ€rkste Sportverein der Stadt ist der Post SV Görlitz.

Seit 2004 findet Ende Mai der Europamarathon als Lauf durch zwei LĂ€nder mit den Strecken Marathon, Halbmarathon fĂŒr Inlineskater, LĂ€ufer und Rollstuhlfahrer/Handbiker, seit 2008 auch fĂŒr Tretrollerfahrer sowie zehn Kilometer und fĂŒnf Kilometer fĂŒr LĂ€ufer statt. 2009 fand bereits zum 74. Mal das Radrennen Rund um die Landeskrone statt. Der Herbstlauf in den Berzdorfer Halden ist ein Crosslauf, der seit 1997 veranstaltet wird. Seit 1978 findet jedes Jahr am 31. Dezember der Görlitzer Silvesterlauf auf dem Sportplatz Eiswiese statt. In Görlitz befindet sich der Sitz der Lausitzer Dartliga. Gespielt wird in mehreren GaststĂ€tten.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in der Stadt drei Badeanstalten: die Hoffmann’sche Badeanstalt am Lindenweg, das Zentralbad an der Hospitalstraße und das Freisebad an der heutigen Dr.-Kahlbaum-Allee. Im Jahr 1972 eröffnete die Volksschwimmhalle an der Fichtestraße. Das Freisebad und die Volksschwimmhalle waren nach der Wiedervereinigung die einzigen öffentlichen Badeanstalten. Das Freisebad schloss im Jahr 1996. Der Betrieb in der Volksschwimmhalle wurde 2007 eingestellt. Im selben Jahr wurde jedoch mit dem Neißebad ein Schwimmhallenneubau unweit der alten Schwimmhalle eröffnet. Bis 2002 existierte nördlich der Innenstadt noch das Helenenbad. Das Areal rund um das Becken des ehemaligen Freibads wird seit 2007 als Luftbad genutzt.

Veranstaltungen

Mit etwa 100.000 Besuchern ist das Altstadtfest die grĂ¶ĂŸte kulturelle Veranstaltung auf dem Stadtgebiet.cite-ref-161[161] Das Altstadtfest wurde nach dem zweiten Tag der Sachsen 1993 in Görlitz als jĂ€hrliches Stadtfest initiiert und findet seit 1994 jĂ€hrlich am letzten Augustwochenende statt. Es ist ĂŒblich, dass neben den Darstellern und Gauklern auch die Besucher in mittelalterlicher Kleidung erscheinen. Ein großer Teil der Altstadt wird fĂŒr diesen Zweck fĂŒr den Verkehr gesperrt.

JĂ€hrlich fand das Sommertheater auf dem Untermarkt statt. Ab dem Jahr 2011 wird es im Hof der Landskron-Brauerei veranstaltet. 2004 wurde das erste Historienspiel Der verrĂ€terischen Rotte Tor. Tuchmacheraufstand zu Görlitz 1527 aufgefĂŒhrt und damit das Sommertheater auf dem Untermarkt gegrĂŒndet. 2005 und 2006 wurde Die Pulververschwörung und das Heilige Grab zu Görlitz aufgefĂŒhrt. Dieses Historienspiel von Hermann Rueth verarbeitet die Legende um den Förderer des Heiligen Grabes, Georg Emmerich. Das StĂŒck Jakob Böhme und die Pest zu Görlitz wurde 2007 und 2008 dargebracht. Das Schauspiel von Herrmann Rueth mit der Musik von C. M. Wagner stellt den Schuster und Mystiker Jakob Böhme in den Mittelpunkt.

Den Auftakt des Veranstaltungsjahres bilden im Februar die Filmtage und der Opernball. Im MĂ€rz finden die Musiknacht und das FrĂŒhlingsfest des Naturschutz-Tierparks mit dem traditionellen Mistkarrenrennen statt. Im FrĂŒhling gibt es dann am 19. April den Internationalen Denkmaltag. Im April findet das Dreiland-Kurzfilm-Festival mit BeitrĂ€gen aus Deutschland, Polen und Tschechien statt, im Mai folgen die Jazztage, das Muschelminna-Fest, das Storchenfest im Naturschutz-Tierpark und die Görlitzer Orgelnacht. Im Sommer gibt es neben der Oldtimer-Eisenbahn im Juni das Campus Open Air, am 21. Juni das FĂȘte de la musique, am 3. Sonntag im Juni den Tag der offenen SanierungstĂŒr, das Braufest der Landskronbrauerei, die Schlesischen Musikfeste (alle zwei Jahre), das Internationale Spielleutetreffen (alle zwei Jahre), das Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec und den Erlebnistag am Berzdorfer See. Im Juli folgen der Schlesische Tippelmarkt und die Musikveranstaltung 15°-Rock. Beendet werden die Sommerveranstaltungen mit dem Internationalen Straßentheaterfestival ViaThea und dem bereits erwĂ€hnten Altstadtfest. Im September gibt es die Niederschlesischen Kulturtage, den Tag des offenen Denkmals, die Lange Nacht der Museen und die Internationale Sommerschule der KĂŒnste. Im November folgen die Görlitzer Rocknacht und die Verleihung des Internationalen BrĂŒckepreises. Beendet wird das Veranstaltungsjahr mit dem Schlesischen Christkindelmarkt.

Im Rahmen der Veranstaltung Kulturhauptstadt Europas in Breslau 2016 fand in Görlitz eine Ausstellung im öffentlichen Raum unter dem Namen Görlitzer ART statt. Es war ein temporĂ€res Projekt der StĂ€dte Breslau und Görlitz unter der kĂŒnstlerischen Leitung der Eugeniusz-Geppert-Akademie der Schönen KĂŒnste WrocƂaw und koordiniert durch die Görlitzer Kulturservicegesellschaft. Die Werke junger Breslauer und niederschlesischer KĂŒnstler waren zwischen dem 1. und 9. April 2017 in der Alt- und Innenstadt ausgestellt.cite-ref-162[162] Vom 1. Juli 2021 bis zum 30. Juni 2022 soll eine zweite Runde der Ausstellungsreihe im öffentlichen Raum fĂŒr KĂŒnstler der Hochschule fĂŒr Bildende KĂŒnste Dresden stattfinden.

In der Walpurgisnacht finden in Görlitz zahlreiche Veranstaltungen mit Hexenfeuern statt.cite-ref-163[163]

Internationaler BrĂŒckepreis

Die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen BrĂŒckepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec (BrĂŒckepreisgesellschaft)cite-ref-164[164] verleiht jĂ€hrlich den mit 2500 € dotierten Internationalen BrĂŒckepreis in einem Festakt.cite-ref-165[165] Sie ehrt damit seit 1993 Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Lebenswerk Verdienste bei der VölkerverstĂ€ndigung in Europa erworben haben. PreistrĂ€ger sind unter anderem Marion GrĂ€fin Dönhoff oder der ehemalige sĂ€chsische MinisterprĂ€sident Kurt Biedenkopf.cite-ref-166[166] GĂŒnter Grass war im Jahr 2006 von der Jury fĂŒr den Preis nominiert worden. Jedoch nahm er seine Zusage wieder zurĂŒck, um „weder Görlitz noch den Preis [zu] diskreditieren“cite-ref-167[167], nach der Kritik an seinem Bekenntnis zu seiner Vergangenheit in der Waffen-SS vor allem durch den Görlitzer CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Hannich und weiterer ĂŒberregionaler CDU-Politiker.cite-ref-168[168] Die Jury sah trotz des RĂŒckzuges von Grass keine Veranlassung, ihre Preisvergabe an GĂŒnter Grass in Frage zu stellen und bedauerte eine einseitige Darstellung in den Medien.cite-ref-169[169]

Die letztjĂ€hrigen PreistrĂ€ger waren der britische Historiker Norman Davies (2009), der polnische MinisterprĂ€sident a. D. Tadeusz Mazowiecki (2010) und die ehemalige PrĂ€sidentin der Europa-UniversitĂ€t Viadrina Frankfurt (Oder) Gesine Schwan (2011). Am 5. Oktober 2012 sollte der Preis dem ukrainischen Profiboxer und Politiker Vitali Klitschko fĂŒr sein „persönliche[s] Eintreten [
] fĂŒr HumanitĂ€t und Demokratie [
] sowie sein Engagement fĂŒr Kinder und Jugendliche“ verliehen werden, jedoch musste die Verleihung im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz aus persönlichen GrĂŒnden Klitschkos verschoben werden. Am 3. Februar 2013 wurde die Verleihung vollzogen und Klitschko nahm den BrĂŒckepreis persönlich entgegen.cite-ref-170[170] Der Preis 2013 ging an den Kabarettisten Steffen Möller.cite-ref-171[171] Ihm folgte 2014 der ehemalige luxemburgische MinisterprĂ€sident und ab November 2014 der EU-KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker.cite-ref-172[172] In den Jahren 2015 und 2016 erhielt jeweils ein Schriftsteller den Preis – 2015 die Polin Olga Tokarczuk fĂŒr ihre literarischen BrĂŒcken zwischen Menschen, Kulturen und Generationen und 2016 Timothy Garton Ash fĂŒr seine Auseinandersetzung mit autoritĂ€ren und totalitĂ€ren Strukturen, deren Auswirkungen und ihrer Überwindung in Mittel- und Osteuropa.cite-ref-173[173]cite-ref-174[174] 2017 erhielt der emeritierte Bischof von Oppeln Alfons Nossol den Preis fĂŒr seinen vermittelnden Einsatz zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, NationalitĂ€t und verschiedenen Glaubens – insbesondere zwischen Polen und Deutschen.cite-ref-175[175]

Filmstadt Görlitz

Wegen seiner unversehrten Altstadt und der geschlossenen GrĂŒnderzeitbebauung ist Görlitz ein beliebter Drehort fĂŒr Filme mit historischer Kulisse,cite-ref-176[176]cite-ref-177[177] was der Stadt im Volksmund den Beinamen „Görliwood“ einbrachte.cite-ref-178[178] Seit Ende 2013 hĂ€lt die Tourismusgesellschaft Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH die Markenrechte.cite-ref-179[179]

Bereits 1954/55 entstanden dort Außenaufnahmen zu Ernst ThĂ€lmann – Sohn seiner Klasse und Ernst ThĂ€lmann – FĂŒhrer seiner Klasse von Kurt Maetzig. 1980 wurde Der Gevatter Tod, ein MĂ€rchenfilm, basierend auf der gleichnamigen Vorlage, in Görlitz gedreht. Unter der Regie von Radu Gabrea entstand 1993 das Liebesdrama Rosenemil. 1998 drehte der Regisseur Fred Kelemen dort einen Teil der Szenen fĂŒr seinen Film Abendland.cite-ref-180[180] Die kurz zuvor restaurierte Fassade des Görlitzer Warenhauses bot auch dabei einen historischen Eindruck. 2002 wurde Görlitz zum Paris des 19. Jahrhunderts im Film In 80 Tagen um die Welt. Der historische Ziegelbau der Landskronbrauerei diente als New Yorker HafengebĂ€ude.

Die Filmstudios Babelsberg wĂ€hlten die Stadt auch zum Schauplatz fĂŒr die Romanverfilmung Der Vorleser, in dem Kate Winslet die Hauptrolle spielt. FĂŒr diesen Film wurden mehrere StraßenzĂŒge gesperrt und der gesamte Straßenbahnfahrplan angepasst.cite-ref-181[181]

FĂŒr Quentin Tarantinos Kriegsfilm Inglourious Basterds fanden im November 2008 Dreharbeiten unter anderem auf dem Untermarkt statt.cite-ref-182[182] Brad Pitt spielte die Rolle des Leutnants Aldo Raine, eines skalpierenden NazijĂ€gers.

Regisseur Philipp Stölzl (Nordwand) drehte ab August 2009 den Film Goethe!, der von Charlotte Buff handelt, einer der ersten großen Lieben von Johann Wolfgang von Goethe.cite-ref-183[183] Im Jahr 2011 fanden mehrere Dreharbeiten statt.

Szenen des Films Der Turm zum gleichnamigen Roman von Uwe Tellkamp wurden unter anderem in der Emmerichstraße gedreht.

Der Film Die Vermessung der Welt nach dem gleichnamigen Roman wurde 2011 in der Altstadt verfilmt.

Der in Görlitz gedrehte Film Lore erhielt beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno den Publikumspreis.cite-ref-184[184]

Der Regisseur Wes Anderson ließ im Winter 2012/2013 Szenen fĂŒr Grand Budapest Hotel im Jugendstilkaufhaus am Demianiplatz und in der Stadthalle aufnehmen.cite-ref-185[185] FĂŒr Szenen zur Verfilmung des Buchs „Die BĂŒcherdiebin“ wurden 2013 die Kulissen am Untermarkt und in der Bahnsteighalle mit Hakenkreuzfahnen beflaggt.cite-ref-186[186]

Im Jahr 2015 fanden Dreharbeiten zu Hans Falladas Romanverfilmung von Jeder stirbt fĂŒr sich allein statt. In diesem Film stellt Görlitz das Berlin in der NS-Zeit dar.cite-ref-187[187]

Eine Villa in Görlitz diente im Jahr 2016 als Kulisse fĂŒr den Film Werk ohne Autor.cite-ref-188[188] Die Weltpremiere fand im Rahmen des Wettbewerbs der 75. Internationalen Filmfestspiele von Venedig statt.cite-ref-189[189] Darin erzĂ€hlt Florian Henkel von Donnersmark (Buch und Regie) die Geschichte des KĂŒnstlers Kurt Barnert, der aus der Deutschen Demokratischen Republik fliehen konnte. In der Bundesrepublik lebend erinnert er sich an seine Kindheit wĂ€hrend der Nazi- und SED-Zeit.

Die TV-Serie Wolfsland wird seit 2016 in Görlitz und Umgebung gedreht.

Kulinarische SpezialitÀten

Da die niederschlesische IdentitĂ€t in der Stadt stark ausgeprĂ€gt ist, erinnern zahlreiche regionale SpezialitĂ€ten an die deftige Schlesische KĂŒche. Ein typisches Gericht ist das Schlesische Himmelreich – ein Fleischgericht mit Backobst. Die schlesische Wellwurst, rustikale KesselsĂŒlze oder pfannengebratene Landleberwurst gehören zu den lokalen WurstspezialitĂ€ten. In der Weihnachtszeit bieten viele örtliche Fleischereien die Görlitzer Weihnachtsbratwurst (auch bekannt als „Schlesische Bratwurst“cite-ref-190[190]) an. Deren Besonderheit ist ein leichter Zitronengeschmack.cite-ref-weihnachtsbratwurst-191-0[191]

Auch eine Vielfalt regionalen GebĂ€cks wird angeboten. Schlesischer Mohnkuchen sowie Mohnstollen um die Weihnachtszeit, Schlesischer ButterdrĂŒckstreuselkuchen und die so genannte Liegnitzer Bombe gehören zum Angebot einiger BĂ€ckereien.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die wirtschaftliche Infrastruktur der Stadt ist durch einige große Industriebetriebe aus den Bereichen des Anlagen-, Maschinen- und Schienenfahrzeugbaus und deren zahlreiche mittelstĂ€ndische Zulieferbetriebe geprĂ€gt. Ein weiteres Standbein der regionalen Wirtschaft ist der Einzelhandel.cite-ref-einkaufen-in-g-rlitz-192-0[192] Er profitiert vor allem von der NĂ€he zu Polen, da dort auf viele Artikel, wie unter anderem Drogeriewaren, eine Zusatzsteuer erhoben wird.cite-ref-grenzoeffnung-pl-de-193-0[193] Um die Wirtschaft im eigenen Randgebiet zu fördern, erweiterte Polen 2010 die Sonderwirtschaftszone Specjalna Strefa Ekonomiczna MaƂej Przedsiębiorczoƛci (SSEMP) (deutsch: Sonderwirtschaftszone fĂŒr mittelstĂ€ndische Unternehmen) bei Kamienna GĂłra um das Gebiet von Zgorzelec.cite-ref-sonderwirtschaftszone-194-0[194] Ein zeitweilig gĂŒnstiger Wechselkurs zwischen polnischen ZƂoty und Euro kann fĂŒr die regionale Wirtschaft von Vorteil sein.

In den Jahren 1991 bis 1998 wurden allerdings viele Betriebe stillgelegt. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeitslosigkeit in der Region stark anstieg und immer mehr FachkrĂ€fte und junge Menschen zum Wegzug aus der Region bewegte. Vor allem das produzierende Gewerbe schrumpfte dramatisch von ca. 11000 ErwerbstĂ€tigen im Jahr 1995 auf etwa 5400 ErwerbstĂ€tige im Jahr 2007. So waren im Jahr 2000 noch 700 Angestellte in den Bereichen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei tĂ€tig. 2004 waren es nur noch 100. Auch das Baugewerbe ging in dieser Zeit von 1900 auf 1100 BeschĂ€ftigte zurĂŒck. Das Dienstleistungsgewerbe hingegen konnte ein leichtes Wachstum verzeichnen.cite-ref-195[195]

AnsÀssige Unternehmen

Zu den ansĂ€ssigen Unternehmen gehören Alstom (bis 2021: Bombardier Transportation), die heute z. B. Doppelstockwagen an die Deutsche Bahn und andere europĂ€ische Bahnen liefert und am Standort Görlitz etwa 1200 Mitarbeiter beschĂ€ftigt (Mai 2019).cite-ref-196[196] Das Werk wurde 1849 unter dem Namen Eisenbahn-Wagenbau-Anstalt von Johann Christoph LĂŒders gegrĂŒndet. An den Görlitzer Industriepionier erinnert der Name der Straße vor dem Werk. Bereits 1869 wurde die Firma durch eine Aktiengesellschaft ĂŒbernommen und firmierte als Aktien-Gesellschaft fĂŒr Fabrikation von Eisenbahn-Material zu Görlitz. 1921 fusionierte das Unternehmen mit der 1847 gegrĂŒndeten Görlitzer Maschinenbau-Anstalt und Eisengießerei zur Waggon- und Maschinenbau AG Görlitz (kurz: WUMAG). 1935 wurden erstmals in Deutschland Doppelstockwagen moderner Konzeption fĂŒr den Wendezug-Schnellverkehr zwischen Hamburg und LĂŒbeck fĂŒr die LĂŒbeck-BĂŒchener Eisenbahn von der WUMAG entworfen und gebaut. Die Tradition des Doppelstockwagenbaus wird bis heute fortgefĂŒhrt. Der wohl legendĂ€rste Zug aus dem Görlitzer Werk ist jedoch der 1932 an die Deutsche Reichsbahn ausgelieferte sogenannte Fliegende Hamburger fĂŒr den Schnellzugverkehr zwischen Hamburg und Berlin. Alstom wird die Produktion in Görlitz schrittweise bis Ende MĂ€rz 2026 einstellen. Im Februar 2025 wurde der Verkauf an den RĂŒstungskonzern KNDS bekanntgegeben. KNDS will im Werk den Kampfpanzer Leopard 2, den SchĂŒtzenpanzer Puma und den Radpanzer Boxer produzieren.cite-ref-197[197]cite-ref-198[198]

Ein weiterer Fahrzeugbauer in der Stadt ist die Brandschutztechnik Görlitz mit ihrem Produktionsstandort an der Doktor-Kahlbaum-Allee. Die Firma wurde Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Namen G.A. Fischer gegrĂŒndet und zu DDR-Zeiten verstaatlicht. Der Volkseigene Betrieb (VEB) FeuerlöschgerĂ€tewerk Görlitz wurde nach der Wende privatisiert und trug bis zur Übernahme durch Iveco Magirus im Jahr 1996 den Namen BTG Brandschutztechnik Görlitz GmbH.cite-ref-199[199] Am Görlitzer Standort erhalten Feuerwehr- und Spezialfahrzeuge unter 10 Tonnen ihre Aufbauten und werden fĂŒr den Einsatz ausgerĂŒstet. Diese Fahrzeugkategorie umfasst unter anderem Tragkraftspritzenfahrzeuge, Kleintanklöschfahrzeuge, VorausrĂŒstwagen und GerĂ€tewagen fĂŒr Gefahrgut, Einsatzleitwagen, Mannschaftstransportfahrzeuge und Löschgruppenfahrzeuge.cite-ref-200[200] Im Juli 2012 gab Iveco die Schließung von drei Werken in Deutschland bekannt. Auch das Görlitzer Werk sollte geschlossen werden.cite-ref-201[201] Bereits Ende Juni unterschrieb der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Görlitzer Standorts eine AbsichtserklĂ€rung, das Werk von der Iveco Magirus Brandschutztechnik zurĂŒckzukaufen und fortzufĂŒhren.cite-ref-202[202] Seit dem 1. Januar 2013 ist das Görlitzer Werk wieder selbststĂ€ndig.cite-ref-203[203]

Die Firma Siemens Energy betreibt in Görlitz einen Standort fĂŒr Industriedampfturbinen. 2018 beschĂ€ftigte das Werk 960 Mitarbeiter auf 720 Vollzeitstellen.cite-ref-204[204] Es hat eine langjĂ€hrige Tradition im Maschinenbau. Es begann 1847 mit dem Bau von Dampfmaschinen. Erst 1910 wurden Dampfturbinen in das Fertigungsprogramm aufgenommen. 1945 fiel das Werk den Reparationsforderungen der Sowjetunion zum Opfer. Es wurde demontiert und man begann erst im Jahr 1951 wieder mit der Produktion. Im Jahr 1991 wurde es von Siemens ĂŒbernommen.

Das dritte große Maschinenbauunternehmen in Görlitz war die BMS GmbH – KEMA Görlitz. Sie entwickelte und baute seit 1878 vorwiegend Maschinen fĂŒr die Keramikindustrie (Walzwerke und Extruder). GegrĂŒndet wurde die Firma 1878 von Richard Raupach unter dem Namen Richard Raupach Maschinenfabrik Görlitz. Damals baute er mit drei bis vier Schlossern alte und uneffektive Kesselanlagen und Dampfmaschinen um. 1903 war die Belegschaft nach dem Umzug der Firma auf ein grĂ¶ĂŸeres Areal an der Zittauer Straße auf 250 BeschĂ€ftigte angewachsen. Der spĂ€tere Königliche Kommerzienrat Richard Raupach grĂŒndete eine Stiftung fĂŒr langjĂ€hrige Angestellte sowie deren Witwen und Waisen. Das Unternehmen wurde auf zahlreichen Ausstellungen mit Gold- und Silbermedaillen geehrt. In den beiden Weltkriegen wurden in der Fabrik folgende RĂŒstungsgĂŒter hergestellt: Im Ersten Weltkrieg wurden Artilleriemunition und andere Kriegsmaterialien hergestellt, im Zweiten Weltkrieg RĂŒstungsauftrĂ€ge fĂŒr die Kriegsmarine ausgefĂŒhrt. Im Jahr 1945 wurde das Werk von den Sowjets demontiert und 1949 zum VEB KEMA (KEramikMAschinenbau) umstrukturiert. 1989 waren ca. 550 Mitarbeiter beim VEB KEMA tĂ€tig, danach wurde das Werk an die Firmengruppe Eirich verkauft.cite-ref-205[205] 2014 scheiterte das Insolvenzverfahren fĂŒr das Traditionsunternehmen und der GeschĂ€ftsbetrieb wurde eingestellt.cite-ref-206[206]

In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind die Landskronbrauerei und die SĂŒĂŸwarenfabrik Rudolf Hoinkis GmbH bekannt. Die Landskronbrauerei wurde 1869 unter dem Namen Görlitzer Aktien Brauerei gegrĂŒndet und der Name Landskron Bier 1882 patentrechtlich geschĂŒtzt. Unter der Leitung von Walther Scheller (von 1928 bis 1946) entstand das heute noch verwendete Markenlogo mit einem stilisierten „L“. In der DDR-Zeit wurde das Unternehmen 1972 verstaatlicht und es kam erst 1992 wieder in den Familienbesitz der Schellers. Von 2003 bis 2006 gehörte die Brauerei zur Holsten-Gruppe. Im Juli kaufte der Unternehmer Rolf Lohbeck den Betrieb und gliederte ihn in sein Familienunternehmen ein. Die Brauerei warb einige Jahre mit dem Wahlspruch „Die östlichste Brauerei Deutschlands“, dieses Merkmal verlor sie ab 2006 mit der GrĂŒndung einer kleinen Hausbrauerei einige Meter weiter östlich an der Neiße.

Rudolf Hoinkis grĂŒndete 1896 die SĂŒĂŸwarenfabrik Hoinkis. Er gilt als Erfinder der Liebesperlen, die einen weltweiten Bekanntheitsgrad erreichten.cite-ref-207[207] Die Firma ĂŒberlebte beide Weltkriege und die Halbstaatlichkeit in der DDR-Zeit und wurde 1990 unter der dritten Generation Hoinkis reprivatisiert. Am 16. August 1996, zum 100-jĂ€hrigen Bestehen der Firma, konnte ein neues FirmengebĂ€ude in einem Gewerbegebiet im Görlitzer Nord-Westen eingeweiht werden.

Nach der Wende siedelten sich vorwiegend Dienstleistungsbetriebe im Stadtgebiet an. Die frĂŒhere twenty4help Knowledge Service GmbH grĂŒndete in Görlitzcite-ref-208[208] ein technisches Callcenter.cite-ref-209[209] Das Motiv fĂŒr diese Ansiedlung waren zum einen die gĂŒnstigen Konditionen der Stadt und die Sprachkenntnisse der ansĂ€ssigen Bevölkerung. Das Callcenter gehört nun zur Teleperformance Deutschland.cite-ref-210[210] Im Jahr 2008 grĂŒndete die Kölner Firma Software Quality Systems AG in Görlitz einen weiteren Standort.cite-ref-211[211] Das Unternehmen beschĂ€ftigt hier ĂŒber 200 Mitarbeiter, die unter anderem Software testen.cite-ref-212[212]cite-ref-213[213]

Die Koramic Dachprodukte GmbH & Co. KG (vormals F. v. MĂŒller Dachziegelwerke GmbH & Co. KG) ist ein international operierendes Unternehmen zur Herstellung und zum Vertrieb von Tondachziegeln.cite-ref-214[214]

Das im Jahr 2000 gegrĂŒndete Biotechnologie-Unternehmen CyTecs firmiert heute als Sysmex Partec GmbH und ist Teil des japanischen Medizintechnologie-Konzerns Sysmex Corporation, es wurde fĂŒr seine Diagnostiklösungen im Bereich HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria mehrfach ausgezeichnet. Das Unternehmen war unter anderem PreistrĂ€ger im Wettbewerb Deutschland – Land der Ideen 2009, gewann 2007 den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland und 2003 den Innovationspreis des Freistaates Sachsen.cite-ref-215[215]

Medien

Ein lokales Fernsehprogramm sendete eRtv (euro Regional tv), das auch in Rothenburg, Niesky und weiteren Teilen der östlichen Oberlausitz im Kabelnetz der Kabel Deutschland GmbH empfangen werden konnte. Der Sendebetrieb wurde im September 2017 eingestellt.cite-ref-216[216] Der Hörfunksender Radio Lausitz, der in der Oberlausitz auf der Frequenz 107,6 MHz sendet, war bis zum Umzug nach Bautzen 2012 19 Jahre in der Stadt vertreten.cite-ref-217[217] MDR 1 Radio Sachsen hat ein KorrespondentenbĂŒro in der Stadt.cite-ref-218[218] Er ist der einzige Sender, der im Autobahntunnel Königshainer Berge empfangen werden kann.

Die SÀchsische Zeitung (SZ) ist die einzige Tageszeitung in der Stadt und unterhÀlt hier eine Lokalredaktion. Als AnzeigenblÀtter werden der Wochenkurier und der Niederschlesische Kurier verteilt. Nur online erscheint der Görlitzer Anzeiger.cite-ref-219[219]

Der Senfkorn Verlag gibt die Monatszeitschrift Schlesien heute heraus.cite-ref-220[220] Im selben Verlag erscheint seit 2004 die deutsch-polnische Vierteljahresschrift fĂŒr Kultur und Geschichte Silesia Nova.

Verkehr

Verkehrsmittelwahl

Die folgende Graphik stellt die Verkehrsmittelwahl (auch Modal Split genannt) in der Stadt dar. Es ist jedoch zu beachten, dass die Stadt 1995 einen anderen Gebietsstand hatte als nach der Eingemeindung von Kunnerwitz/Klein Neundorf und Ludwigsdorf/Ober-Neundorf im Jahr 1999.cite-ref-modal-split1-221-0[221]cite-ref-modal-split2-222-0[222]

Modal Split in den Jahren 1995, 2006 und 2009

Prozent

Jahr

40

50

60

70

80

90

100

1995

2006

2009

a) motorisierter Individualverkehr

b) FußgĂ€nger

c) Fahrrad

d) ÖPNV

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Seit 1995 ist eine Zunahme des Kfz-Verkehrs zu erkennen, wobei die Zahl der Selbstfahrer von 36,0 % im Jahr 1995 auf 34,7 % im Jahr 2009 fiel. Zugenommen hat hingegen die Zahl der Kfz-Mitfahrer (1995: 4,0 %; 2009: 8,9 %). Im gleichen Zeitraum sank entsprechend der Anteil der als Umweltverbund bezeichneten Verkehrsarten, zu denen der öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), der Rad- und Fußverkehr zĂ€hlen, von 60 % auf etwa 54 %. Eine Zunahme innerhalb dieser Gruppe war lediglich beim Radverkehr zu verzeichnen. Im innerstĂ€dtischen Gebiet stellt sich ein anderes Bild in der Verkehrsmittelwahl dar. GrĂŒnde hierfĂŒr sind u. a. kĂŒrzere Wege, das Entfallen der Parkplatzsuche, eine höhere Taktdichte und eine hohe Zielvernetzung. Die Hauptverkehrsleistung des ÖPNV entfĂ€llt hier auf die Straßenbahn.cite-ref-modal-split2-222-1[222]

Modal Split im Vergleich Gesamtstadt / Stadtteile im Jahr 2009

Prozent

Jahr

20

30

40

50

60

70

80

90

100

Gesamtstadt

SĂŒdstadt

a) motorisierter Individualverkehr

b) FußgĂ€nger

c) Fahrrad

d) ÖPNV

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Eisenbahn

Der Bahnhof Görlitz ist ein Eisenbahnknoten, da sich in der Stadt die Eisenbahnstrecken aus Dresden, Berlin, Zittau, Węgliniec sowie die Schlesische Gebirgsbahn treffen. Die beiden letztgenannten befinden sich seit 1945 ĂŒberwiegend auf polnischem Territorium.

Bereits am 1. September 1847 wurden die AnschlĂŒsse nach Dresden und Kohlfurt eingeweiht. In Kohlfurt bestand Anschluss an die Bahnstrecke von Berlin nach Breslau. Auf der Strecke Berlin–Görlitz verkehren ZĂŒge erst seit 1867 auf direktem Weg ĂŒber die Görlitzer Bahn. Der Streckenabschnitt Görlitz–Zittau wurde 1875 eröffnet und trĂ€gt auch den Namen Neißetalbahn. Auf dem Görlitzer Stadtgebiet befinden sich mit den Haltepunkten Görlitz-Rauschwalde und Görlitz-WeinhĂŒbel sowie dem Bahnhof Hagenwerder noch drei Bahnstationen.

Im grenzĂŒberschreitenden Verkehr nach Polen ĂŒberqueren tĂ€glich mehr als zehn Zugpaare das Neißeviadukt in Richtung LubaƄ (Lauban) bzw. Węgliniec (Kohlfurt), wo in Richtung Breslau Hauptbahnhof umgestiegen werden kann. Einige polnische RegionalzĂŒge des Betreibers Koleje Dolnoƛląskie, die frĂŒher nur bis Zgorzelec fuhren, werden seit 2015 bis nach Görlitz durchgebunden und bieten damit auch wieder eine umsteigefreie Verbindung ĂŒber LubaƄ (Lauban) bis nach Jelenia GĂłra (Hirschberg) im Riesengebirge an.cite-ref-223[223] Seit Februar 2018 verkehren zudem tĂ€glich drei Zugpaare zwischen Görlitz und Zielona GĂłra (GrĂŒnberg).cite-ref-224[224]

Öffentlicher Personennahverkehr

Zweckverband

Im Landkreis Görlitz und dem östlichen Teil des Landkreis Bautzen, sowie der Stadt Görlitz wird der öffentliche Personennahverkehr durch den Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz Niederschlesien (ZVON) abgedeckt. Dieser wurde am 28. Juni 1995 in Niesky gegrĂŒndet und stellt eine Körperschaft des öffentlichen Recht dar. Seine Aufgabe ist es, eine optimale Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region Oberlausitz-Niederschlesien zu ermöglichen. Außerdem besteht auch eine grenzĂŒbergreifende Zusammenarbeit mit benachbarten Verkehrsbetrieben. Bis 2015 wurden pro Jahr durchschnittlich 4,34 Millionen Kilometer, seit 2020 bei einer PĂŒnktlichkeit von mind. 97 %, im Zugverkehr bedient.cite-ref-225[225]cite-ref-226[226]

InnerstÀdtisch

Innerhalb der Stadt Görlitz wird der öffentlichen Personennahverkehr von der Görlitzer Verkehrsbetriebe GmbH betrieben. Diese betreiben zwei Straßenbahnlinien und sieben Stadtbuslinien.cite-ref-227[227] Eine Besonderheit ist, dass sich darunter eine Linie im grenzĂŒberschreitenden Verkehr mit einer GesamtlĂ€nge von 4,8 km befindet.

Im Jahr 2001 ĂŒbertrug die Stadt der Veolia Environnement die Aktienmehrheit der Stadtwerke Görlitz. Danach gehörte die Verkehrsgesellschaft Görlitz zur Tochterfirma Connex Verkehr, die 2006 zur Veolia Verkehr und schließlich im MĂ€rz 2015 zur Transdev umfirmierte. Der Stadtrat beschloss, den stĂ€dtischen Nahverkehr wieder in stĂ€dtische Obhut zu ĂŒbernehmen und grĂŒndete die Görlitzer Verkehrsbetriebe – eine stĂ€dtische Gesellschaft, die am 1. Januar 2019 den Betrieb ĂŒbernahm. Die Görlitzer Straßenbahn feierte im Jahr 2007 ihr 125-jĂ€hriges BetriebsjubilĂ€um und deckt heute mit zwei Linien die Stadtteile Königshufen – WeinhĂŒbel (Linie 1) und Königshufen – Biesnitz (Linie 2) ab.cite-ref-228[228] Dabei kommen ihre Tatratriebwagen KT4D zum Einsatz, um die Neubaugebiete Königshufen im Norden, WeinhĂŒbel im SĂŒden sowie den ehemaligen Vorort Biesnitz im Westen zu erreichen. Dabei durchquert sie die Innenstadt und tangiert die historische Altstadt. Die Zentralhaltestelle ist die Haltestelle Demianiplatz am ehemaligen Karstadt-Kaufhaus. Hier befindet sich auch das KundenbĂŒro der Verkehrsbetriebe.

Am 29. September 2016 beschloss der Stadtrat das ÖPNV-Konzept Status Quo plus. Der Beschluss beabsichtigt Verbesserungen der Erschließung der Altstadt und östlichen Innenstadt durch eine geĂ€nderte LinienfĂŒhrung im Busverkehr, den barrierefreien Ausbau der Haltestelleninfrastruktur, die GrĂŒndung der Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB) – einer stĂ€dtischen Gesellschaft, die sich fĂŒr barrierefreie Straßenbahnwagen mindestens im Stundentakt auf beiden Linien bis spĂ€testens 1. Januar 2022 einsetzt sowie die Erörterung mit der polnischen Nachbarstadt ĂŒber einen zukĂŒnftigen gemeinsamen Stadtverkehr.cite-ref-229[229]cite-ref-230[230]

Regional

Im Landkreis Görlitz wird der Regionalverkehr durch mehrere Gesellschaften unterhalten. Im Regionalbusverkehr sind das u. a. die Gesellschaft Omnibusverkehr Oberlausitz (OVO) und die Kraftverkehrsgesellschaft DreilĂ€ndereck (KVG), welche zahlreiche Regionalbuslinien betreiben. Zahlreiche dieser Regionalbuslinien starten am 2015 eingeweihtem Omnibusbahnhof, der an der Bahnhofstraße direkt neben dem Bahnhof gelegen istcite-ref-231[231]. Es werden von hier zahlreiche regionale Ziele angefahren. So gibt es direkte und indirekte Verbindungen in die großen KreisstĂ€dte Löbau, Weißwasser und Zittau. Weitere Verbindungen erzielen auch eine Anbindung des lĂ€ndlichen Raum, mit Verbindungen bspw. nach Reichenbach, Weißenberg oder Ostritz.cite-ref-232[232]

Straßenverkehr

Das Straßennetz hat eine GesamtlĂ€nge von rund 217 km, davon sind 3,7 km Bundesautobahn, 21,8 km Bundesstraßen, 23,7 km Staatsstraßen, 9,0 km Kreisstraßen und 158,8 km Gemeindestraßen. Durch das nördliche Stadtgebiet fĂŒhrt die A 4 Erfurt–Dresden–Görlitz, die jenseits der Neiße als polnische A4 ĂŒber Breslau zur ukrainischen Grenze weiterfĂŒhrt. Die B 6 umgeht das Stadtzentrum im Nordwesten in Richtung Bautzen und geht am nordwestlichen Stadtrand in die B 115 nach Forst (Lausitz) ĂŒber. Die B 99 fĂŒhrt durch das Stadtgebiet nach Zittau.cite-ref-luftreinhalteplan-233-0[233]

Das Stadtzentrum wird stark vom motorisierten Individualverkehr in Anspruch genommen. Selbst engste Gassen werden von Autos befahren und als Parkplatz verwendet. Seit 2006 werden zunehmend verkehrsberuhigte Bereiche eingerichtet, um die Altstadt zu entlasten. So ist beispielsweise der Untermarkt weitgehend gesperrt. Am Bahnhof und dem City Center Frauentor wurden zur Entlastung der innerstĂ€dtischen Parksituation mehrstöckige ParkhĂ€user errichtet. In den ParkhĂ€usern wird ein Teil der StellplĂ€tze als DauerparkplĂ€tze vermietet. In der Kernstadt (historische Altstadt, Innenstadt, Nikolaivorstadt und SĂŒdstadt) werden rund 1800 von insgesamt etwa 3200 StellplĂ€tzen bewirtschaftet. Außerdem sind BewohnerparkplĂ€tze sowie zwei Parkzonen eingerichtet.cite-ref-modal-split2-222-2[222] Die einzige große FußgĂ€ngerzone befindet sich in der Berliner Straße mit der Straßburg-Passage als Durchgang zum Wilhelmsplatz.

Nach Polen bestehen drei GrenzĂŒbergĂ€nge fĂŒr den Straßenverkehr, der AutobahngrenzĂŒbergang Ludwigsdorf, der GrenzĂŒbergang StadtbrĂŒcke sowie der GrenzĂŒbergang Hagenwerder–Radomierzyce (ehemals Radmeritz). 2004 wurde die 1945 zerstörte AltstadtbrĂŒcke fĂŒr FußgĂ€nger wiedereröffnet.

Die Radfahrer haben einen Anteil von 12,4 % am Verkehrsaufkommen.cite-ref-luftreinhalteplan-233-1[233]

Flugverkehr

Der Görlitzer Flugplatz, der 1925 eröffnet wurde, befindet sich am nordwestlichen Stadtrand unmittelbar an der Bundesstraße 6. Er verfĂŒgt ĂŒber eine 750 m lange Graspiste. Die Nutzung des Görlitzer Flugplatzes ist fĂŒr Flugzeuge bis 5,7 t möglich. Dieser Platz wird hauptsĂ€chlich vom ortsansĂ€ssigen Flugsportclub, aber auch von anderen Flugvereinen genutzt. Touristen werden RundflĂŒge mit Motor-, Segel- oder Ultraleichtflugzeugen ĂŒber die Stadt, das Zittauer Gebirge und das Lausitzer Bergland angeboten.

Etwa 30 km nördlich der Stadt befindet sich der grĂ¶ĂŸere Verkehrslandeplatz Flugplatz Rothenburg/Görlitz. Mit einer LandebahnlĂ€nge von 2500 m kann er fĂŒr Flugzeuge bis zu 14 t genutzt werden. In Rothenburg gibt es gleichwohl nur wenig Verkehr, sodass heute auf dem kleineren Flugplatz am Stadtrand von Görlitz mehr Bewegungen verzeichnet werden.

Öffentliche Einrichtungen

Ämter, Behörden und StĂ€dtische Einrichtungen

Görlitz ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Landgerichts. Der Landgerichtsbezirk erstreckt sich seit dem 1. Januar 2013 ĂŒber die Landkreise Görlitz und Bautzen, das ehemalige Landgericht Bautzen wird als Außenkammer unterhalten. Hinter dem GerichtsgebĂ€ude auf dem Postplatz befindet sich die Justizvollzugsanstalt Görlitz. Diese wurde in den Jahren 1863 bis 1865 erbaut und 1905 bis 1909 nach amerikanischem Vorbild kreuzförmig erweitert.

Die Stadtverwaltung ist in der ehemaligen JĂ€gerkaserne untergebracht. Der OberbĂŒrgermeister residiert hingegen im Görlitzer Rathaus auf dem Untermarkt, in dem sich auch das Standesamt und das Ratsarchiv befinden und wo der Stadtrat tagt. In der Jochmann-Straße befindet sich die Stadtbibliothek. Sie wurde 1876 als VolksbĂŒcherei gegrĂŒndet und bezog am 28. Februar 1907 diese RĂ€umlichkeiten.cite-ref-stabi-alt-147-1[147] Zwischen 2006 und 2009 wurde der Altbau der Bibliothek grundlegend saniert (u. a. Lesesaal und Magazin) und auf dem NebengrundstĂŒck ein Neubau errichtet, der mit dem Altbau auf allen Etagen verbunden ist und auch die Kinder- und Jugendabteilung enthĂ€lt.cite-ref-stabi-neu-148-1[148]

Nach der Kreisreform von 2008 wurde Görlitz Sitz des Landrates. Bis zur Fertigstellung des Landratsamts gegenĂŒber dem Görlitzer Bahnhof im MĂ€rz 2013 residierte der Landrat ebenfalls in der JĂ€gerkaserne. Weitere Behörden des Landkreises in Görlitz sind das Amt fĂŒr Hoch- und Tiefbau, das Gesundheitsamt, das Jugendamt sowie das LebensmittelĂŒberwachungs- und VeterinĂ€ramt.cite-ref-234[234]

Das Zollfahndungsamt Dresden hat einen Dienstsitz nahe der Grenze am Görlitzer Stadtpark, am Autobahn-GrenzĂŒbergang Ludwigsdorf befindet sich die Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf sowie eine Abfertigungsstelle des Zollamtes Löbau.cite-ref-235[235]cite-ref-236[236] Weiterhin hat die Polizeidirektion Görlitz in der Stadt ihren Sitz. Sie ist den Polizeirevieren in den Landkreisen Bautzen und Görlitz ĂŒbergeordnet.cite-ref-237[237]

Gesundheitswesen

Das StĂ€dtische Klinikum Görlitz gGmbH ist als eines von zehn sĂ€chsischen KrankenhĂ€usern der Schwerpunktversorgung das einzige im Landkreis Görlitz.cite-ref-238[238] Außer der OrthopĂ€die bietet es alle fĂŒr ein solches Krankenhaus ĂŒblichen Kliniken an.cite-ref-239[239] Das Klinikum hat ein zertifiziertes Brustzentrum und ein Zentrum fĂŒr onkologische Erkrankungen als Abteilungen eingerichtet.cite-ref-240[240] Die Stadt Görlitz ist Gesellschafter des Klinikums.cite-ref-241[241]

In Rauschwalde befindet sich das Malteser Krankenhaus St. Carolus. Es ist ein Krankenhaus der Regelversorgung und verfĂŒgt ĂŒber die Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Urologie, AnĂ€sthesie und Intensivmedizin, eine Palliativstation sowie die Radiologie.cite-ref-242[242] Es wurde seit seiner GrĂŒndung 1927 vom Orden der BorromĂ€erinnen betreut und geleitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zahlreiche Modernisierungen statt. Auch wĂ€hrend der DDR blieb das Klinikum unter der Leitung des Ordens. Ab 1. Januar 2004 ĂŒbernahm der Malteserorden die TrĂ€gerschaft des Krankenhauses.

Friedhöfe

Görlitz verfĂŒgt ĂŒber mehrere Friedhöfe. Der StĂ€dtische Friedhof in Königshufen ist der grĂ¶ĂŸte und in einen neuen und einen alten Abschnitt unterteilt. Der Ă€ltere Abschnitt knĂŒpft an den historischen Nikolaifriedhof an.cite-ref-friedh-fe-243-0[243] DarĂŒber hinaus gibt es unter anderem noch Friedhöfe in den Stadtteilen WeinhĂŒbel und Rauschwalde sowie in den Ortsteilen Hagenwerder, Kunnerwitz, Ludwigsdorf, Tauchritz. Zudem gibt es einen jĂŒdischen Friedhof in der SĂŒdstadt. Dieser dient heute auch als GedenkstĂ€tte der im KZ-Außenlager Görlitz gestorbenen HĂ€ftlinge.cite-ref-friedh-fe-243-1[243]

Bildung und Wissenschaft

Forschungseinrichtungen

Die Senckenberg Gesellschaft fĂŒr Naturforschung betreibt neben dem Museum in Görlitz auch ein Forschungsinstitut mit den Abteilungen Bodenzoologie, Botanik und Zoologie.cite-ref-244[244] Bis 2022 soll ein neues neue Forschungs- und SammlungsgebĂ€ude an der Bahnhofstraße Ecke Jakobstraße entstehen, indem die insgesamt sechs Standorte, die die Senckenberg Gesellschaft in Görlitz bisher nutzt, zusammengefĂŒhrt werden sollen.cite-ref-245[245]cite-ref-246[246]

Das Leibniz-Institut fĂŒr ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden und die Technische UniversitĂ€t Dresden betreiben gemeinsam das InterdisziplinĂ€re Zentrum fĂŒr ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in der Stadt. Es geht auf das 2004 auf Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als Außenstelle der Technischen UniversitĂ€t Dresden gegrĂŒndete Kompetenzzentrum Revitalisierender StĂ€dtebau zurĂŒck. Es analysiert die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen und kommunaler Entscheidungen auf die StĂ€dte und unterstĂŒtzt auf dieser Basis Kommunen und ĂŒbergeordnete EntscheidungstrĂ€ger bei der Entwicklung und Erprobung von Lösungen. Im Vordergrund stehen dabei Instrumente und Prozesse zur Steuerung der gesamtstĂ€dtischen, teilrĂ€umlichen und auch interkommunalen Stadtentwicklung.cite-ref-247[247]

Das Fraunhofer-Institut eröffnete 2017 In Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz ein Lernlabor Cybersicherheit fĂŒr potenziell gefĂ€hrdete kritische Infrastrukturen. Es gehört dem Institutsteil Angewandte Systemtechnik AST in Ilmenau an.cite-ref-248[248]cite-ref-249[249] Weiterhin werden Siemens und die Fraunhofer-Gesellschaft am Fraunhofer Hydrogen Laboratory Görlitz (HLG) auf dem geplanten Innovationscampus die Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff untersuchen. Görlitz soll damit langfristig zu einem Kompetenzzentrum fĂŒr Wasserstofftechnologien entwickelt werden.cite-ref-250[250]

Im Jahr 2019 wurde das Forschungsinstitut Casus (Center for Advanced Systems Understanding) in Görlitz gegrĂŒndet.cite-ref-251[251] Das Institut gehört dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf an und soll das Zentrum fĂŒr digitale interdisziplinĂ€re Systemforschung in Deutschland werden. Mit Hilfe der modernen Rechentechnik sollen hier Methoden fĂŒr die Modellierung komplexer interdisziplinĂ€rer Systeme entwickelt werden, um ein digitales Abbild der komplexen Wirklichkeit aufgrund von Systemen und ihrer Wechselwirkung zu erschaffen und so Vorhersagen treffen zu können. Schwerpunkte sind Materie unter extremen Bedingungen, Erdsystemforschung, Systembiologie und autonome Fahrzeuge.cite-ref-252[252] Anfang 2020 wurde bekannt, dass der Freistaat Sachsen den GebĂ€udekomplex des ehemaligen Kondensatorenwerks an der Uferstraße fĂŒr rund 800.000 Euro erwirbt. Anschließend soll es fĂŒr das Casus-Forschungsinstitut und ein GĂ€stehaus aus- und umgebaut werden.cite-ref-253[253]


Hochschulen

Am 13. Juli 1992 wurde Görlitz mit GrĂŒndung der Hochschule Zittau/Görlitz (University Of Applied Sciences, umgangssprachlich auch Lusatia) Hochschulstadt. 2015 waren 2.932 Studentencite-ref-254[254] in 33 StudiengĂ€ngencite-ref-255[255] immatrikuliert. Es haben sich internationale Netzwerke gebildet, womit Görlitz als internationaler Bildungsstandort weit ĂŒber seine Grenzen hinaus wirkt.

Die Hochschule fĂŒr Kirchenmusik, die 1927 in Breslau und 1947 in Görlitz als Evangelische Kirchenmusikschule neu gegrĂŒndet wurde, befand sich in TrĂ€gerschaft der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz und war vom SĂ€chsischen Staatsministerium fĂŒr Wissenschaft und Kunst staatlich anerkannt. Sie wurde am 1. August 2008 geschlossen.

Das Institut fĂŒr kulturelle Infrastruktur Sachsen im Haus Klingewalde ist TrĂ€ger des Collegium Pontes Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec, eines trinationalen Wissenschaftskollegs zur Erforschung aktueller Probleme der EU-Integration, und der Internationalen Sommerschule der KĂŒnste Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec.

Andere Bildungseinrichtungen

Der Berufsschulkomplex an der Carl-von-Ossietzky-Straße (Berufsbildende Schulen Christoph LĂŒders, unterteilt in Berufliches Schulzentrum fĂŒr Wirtschaft und Soziales Görlitz sowie Berufliches Schulzentrum fĂŒr Technik Görlitz) kann bis zu 3000 SchĂŒler aufnehmen. Dort ist auch ein berufliches Gymnasium untergebracht.

Das Augustum-Annen-Gymnasium ist vor allem fĂŒr sein musisch-kĂŒnstlerisches Profil bekannt, bietet jedoch auch einen naturwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig an. Insbesondere werden im Rahmen des bilingual-binationalen Bildungsgangs SchĂŒler deutscher und polnischer Herkunft gemeinsam unterrichtet,cite-ref-256[256] der mit dem Schuljahr 2003/2004 eingefĂŒhrt wurde.cite-ref-257[257]

Die Schule entstand 2004 nach dem Zusammenschluss der vormals eigenstÀndigen Gymnasien Annenschule und Augustum. Der Unterricht findet in zwei getrennten HÀusern an der Annengasse und am Klosterplatz statt. In RÀumen des alten Klosters, dem VorgÀngerbau des Augustums auf dem Klosterplatz, fand bereits seit 1565 Unterricht statt. In den 1850er Jahren wurde das Kloster abgerissen und durch das heutige SchulgebÀude ersetzt.cite-ref-258[258]

Das Joliot-Curie-Gymnasium auf dem Wilhelmsplatz ging aus der 1779 gegrĂŒndeten Luisenschule hervor. Es war bis 1945 eine reine MĂ€dchenschule, an der das Abitur abgelegt werden konnte. In der DDR-Zeit war sie die einzige Erweiterte Oberschule im Stadtgebiet und somit die einzige Schule, an der Jungen und MĂ€dchen zum Abitur gefĂŒhrt wurden. Nach der Wende wurde die Schule als Gymnasium weitergefĂŒhrt und fusionierte mit dem Gymnasium Königshufen. Es bietet wie das Augustum-Annen-Gymnasium ein naturwissenschaftliches und seit 2006 auch ein gesellschaftspolitisches Profil an.

Die grĂ¶ĂŸte Oberschule in Görlitz ist die Oberschule Innenstadt (vormals Elisabethschule) in der Elisabethstraße. Sie war nach Königin Elisabeth Ludovika von Bayern (1801–1873) benannt, der Ehefrau des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. Daneben gibt es noch vier weitere Oberschulen im Stadtgebiet.cite-ref-259[259]

Daneben besteht das Fortbildungszentrum fĂŒr Handwerk und Denkmalpflege, die DenkmalAkademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und die private Bildungseinrichtung MultiMediaPark, die im November 2001 mit UnterstĂŒtzung des Arbeitsamtes gegrĂŒndet wurde und Angebote zum Umgang mit Neuen Medien macht. Außerdem gibt es in Görlitz alle ĂŒblichen Arten von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, das Bildungszentrum fĂŒr informationsverarbeitende Berufe und die DPFA Akademiegruppe. Letztere betreibt seit 2006 eine freie Grundschule – die Regenbogenschule. In ihr wird zweisprachig in Deutsch und Polnisch unterrichtet.

Im MĂ€rz 2022 eröffnete die SĂ€chsische Filmakademie. Sie soll FachkrĂ€fte fĂŒr das Filmgewerbe ausbilden.

Persönlichkeiten

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Hauptartikel

:

Liste von Persönlichkeiten der Stadt Görlitz

und

Liste der EhrenbĂŒrger von Görlitz

Der wohl bekannteste Sohn der Stadt ist der Philosoph und Mystiker Jakob Böhme (1575–1624). Böhme lebte als Schuhmacher am östlichen Neißeufer. Sein Erstlingswerk Aurora oder Morgenröte im Aufgang erlangte weltweit Beachtung. In seinem einstigen Wohnhaus im heutigen Zgorzelec wurde ein Museum zu seinen Ehren eingerichtet. Ein weiterer ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus bekanntgewordener Wissenschaftler war der Astronom und Kartograf BartholomĂ€us Scultetus. Scultetus gilt als einer bedeutendsten Kartographen des mitteldeutschen Raumes. Er erstellte unter anderem die erste Landkarte der Oberlausitz. Auch das zwölfteilige Zifferblatt am Görlitzer Rathaus wurde von ihm eingefĂŒhrt.

GegenĂŒber dem Rathaus weckt eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt die Aufmerksamkeit – der Schönhof. Dessen Bauherr war Wendel Roskopf, der auch maßgeblich an der Gestaltung zahlreicher weiterer spĂ€tgotischer und Renaissancebauwerke in der Altstadt beteiligt war. Roskopf wirkte nicht nur in Görlitz, sondern auch im angrenzenden Böhmen und Schlesien als Baumeister und Steinmetz. Es ist jedoch umstritten, ob er maßgeblich an der EinfĂŒhrung der Renaissance in der Region mitwirkte.cite-ref-260[260]

Auch in der jĂŒngeren Zeit brachte die Stadt bekannte Wissenschaftler hervor; so beispielsweise den Professor fĂŒr Recht und Rechtsgeschichte Paul Rehme, den Wirtschaftswissenschaftler und MitbegrĂŒnder der Spieltheorie Oskar Morgenstern, den Historiker Reinhart Koselleck sowie den Physiker und NobelpreistrĂ€ger Hans Georg Dehmelt. Im Bereich Architektur und Industriedesign ist Herbert Hirche als herausragende Persönlichkeit der Stadt zu nennen. Im Bereich der Medizin wurde die in Görlitz geborene KinderĂ€rztin Marie Elise Kayser als BegrĂŒnderin der Frauenmilchsammelstellen bekannt. Eine weitere prominente Frau ist Hildegard Burjan. Sie war OrdensgrĂŒnderin der Caritas Socialis und Mitglied der christlichsozialen Partei Österreichs. In ihrer politischen Laufbahn erreichte sie als erste christlichsoziale Politikerin den Einzug in den österreichischen Nationalrat. Der derzeitige sĂ€chsische MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer ist ebenfalls in der Stadt geboren und aufgewachsen.

Im Sportbereich kann Görlitz vor allem auf zahlreiche bekannte Namen aus dem Fußball verweisen. Zu den in Görlitz geborenen oder aufgewachsenen Fußballern gehören unter anderem: Hans-JĂŒrgen „Dixie“ Dörner, Heiko Scholz, Jens Jeremies sowie Michael Ballack. Der Ruderer Klaus Bittner und die Schwimmerin Ulrike Richter gewannen beide bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille. Ebenso errang der Handballer Lars Kaufmann, der 2007 bei der Handball-Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft teilnahm, den Weltmeisterschaftstitel. Der aktuell wohl bekannteste Sportler ist Leo Neugebauer, der bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris eine Silbermedaille gewonnen hat.

Im modernen Kulturbereich ist Schriftsteller Lukas Rietzschel mit Görlitz eng verbunden.

Literatur

– chronologisch –

‱ Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, StĂ€dte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien. Breslau 1830, S. 930–933.
‱ Kerstin und AndrĂ© Micklitza: Görlitz, 4. aktualisierte und erweiterte Auflage, Trescher, Berlin 2024, ISBN 978-3-89794-649-1.
‱ Theodor Neumann: Geschichte von Görlitz. Remer, Görlitz 1850 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
‱ Max Kwiecinski: Das Wichtigste aus der Geschichte von Görlitz. Görlitz 1902.
‱ Erich Keyser (Hrsg.): Nordostdeutschland. (= Deutsches StĂ€dtebuch. Handbuch stĂ€dtischer Geschichte. Band 1). Kohlhammer, Stuttgart 1939.
‱ Eva Berthold: Görlitz. Erinnerungen an meine Stadt. Droste, DĂŒsseldorf 1987, ISBN 978-3-7700-0639-7
‱ Andreas Bednarek: Die stĂ€dtebauliche Entwicklung von Görlitz im 19. Jahrhundert (= Schriftenreihe des Ratsarchivs der Stadt Görlitz. Band 15). Stadtverwaltung, Görlitz 1991.
‱ Görlitz und seine Umgebung (= Werte der deutschen Heimat. Band 54). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1994, ISBN 3-7400-0932-2.
‱ Doris und JĂŒrgen Sieckmeyer: Görlitz. Das Tor zum Osten. Wienand, Köln 1995, ISBN 3-87909-474-8.
‱ Andreas Bednarek: StreifzĂŒge durch Görlitz. 2. Auflage. Sutton, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-018-1.
‱ Michael Guggenheimer: Görlitz. Schicht um Schicht. Lusatia, Bautzen 2004, ISBN 3-936758-12-3.
‱ Frank Vater: Görlitz. Eine Stadt mit vielen Gesichtern – Geschichte, Architektur, Kultur. 1. Auflage. Chichinebs, 2006, ISBN 978-3-939177-00-5.
‱ Ines-Ulrike Rudolph, Susanne JĂ€ger (Hrsg.): Görlitz – Zgorzelec – Strategien ohne Grenzen. TUDpress, Dresden 2007, ISBN 978-3-940046-12-3, Internet-Datei, (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive), (PDF; 13,7 MB).
‱ Ernst-Heinz Lemper: Görlitz. Eine historische Topographie. Hrsg.: Aktionskreis fĂŒr Görlitz e. V. 2. Auflage. Oettel, Görlitz 2009, ISBN 3-932693-63-9.
‱ Frank Vater: ArchitekturfĂŒhrer durch die historische Altstadt von Görlitz. Fotos von Frank Vater. 4. Auflage. Chichinebs, Görlitz 2009, ISBN 978-3-939177-02-9.
‱ Christoph Waack: Görlitz/Zgorzelec. Hrsg.: Peter Haslinger u. a. (= Historisch-topographischer Atlas schlesischer StĂ€dte / Historyczno-topograficzny atlas miast ƛląskich. Band 1). Herder-Institut, Marburg / WrocƂaw 2010, ISBN 978-3-87969-361-0 (online).
‱ JĂŒrgen Paul: Görlitz. Architektur, Kunst, Geschichte. Fotos von Frank Höhler. Hrsg.: Kulturhistorisches Museum Görlitz, Ostdeutsche Sparkassenstiftung. 1. Auflage. Sandstein, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-35-2.
‱ Frank Mangelsdorf (Hrsg.): Görlitz. Einst und Jetzt. Texte: Josephine BrĂŒckner. Fotos: Heinz Köhler. Culturcon / MĂ€rkische Oderzeitung 2011, ISBN 978-3-941092-72-3, Inhaltsverzeichnis.
‱ Josephine BrĂŒckner: Görlitz – HĂ€user und ihre Geschichten. Culturcon-medien, Berlin 2014, ISBN 978-3-944068-24-4.
‱ Maritta Isele: Bauwesen und Architektur der Stadt Görlitz: ReprĂ€sentationsformen an der Schwelle zur frĂŒhen Neuzeit. Via Regia Verlag, Bernstadt a. d. E. 2014, ISBN 978-3-944104-07-2. (Dissertation der Technischen UniversitĂ€t Berlin 2008, 452 S., illustriert), Zusammenfassung (PDF), Inhaltsverzeichnis.
‱ Thomas MĂŒller: Stadtgestalt(ung) unter Schrumpfungsbedingungen – auf der Suche nach der Gestalt der EuropĂ€ischen Stadt, neuen Stadtbildern und begrifflicher Einordnung. Dissertation der Technischen UniversitĂ€t Kaiserslautern 2014, DNB 1047365073, online-Datei.
‱ Gunter Oettel: Görlitz, alte neue Stadt an der Neiße. Verlag der Graphischen WerkstĂ€tten, Zittau 2016, ISBN 978-3-946165-06-4.
‱ Görlitz – Auferstehung eines Denkmals. Fotografien von Jörg Schöner. Vorworte von Wolfgang Illert, Siegfried Deinege, Stanislaw Tillich. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente Publikationen, Bonn 2017, ISBN 978-3-86795-097-8.
‱ Görlitzer Sammlungen fĂŒr Geschichte und Kultur, Kulturhistorisches Museum Görlitz (Hrsg.): Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion. Fotos von Markus Hilbich u. a.; Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2017, ISBN 978-3-86795-129-6, Inhaltsverzeichnis.
‱ Andreas Bednarek, Robert B. Heimann: Görlitz as she has been. Old photographs to remember her by. Verlag Via Regia, KönigsbrĂŒck 2017, ISBN 978-3-944104-20-1, (englisch).
‱ Jenny ThĂŒmmler: Görlitz fĂŒr Liebhaber. 44 Orte ‱ ĂŒberraschend. anders. DDV Edition, Dresden 2018, ISBN 978-3-943444-72-8.
‱ Robert Lorenz: Schlesische Metamorphosen. Ethnografie Görlitzer IdentitĂ€tserzĂ€hlungen nach 1990. Domowina-Verlag, Bautzen 2018, ISBN 978-3-7420-2516-6.
‱ Constanze Herrmann: Görlitz – Eine der schönsten StĂ€dte Deutschlands. Klotz, Neuhaus 2021, ISBN 978-3-948968-79-3; Besprechung:cite-ref-261[261].
‱ Wolfgang Kling: Görlitz. Zeitreise durch die Stilepochen – fĂŒnf SpaziergĂ€nge durch ganz Görlitz. via reise verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-949138-11-9, StadtfĂŒhrer.

Filme (Auswahl)

‱ Görlitz – Traumstadt an der Neiße. Reisereportage, Deutschland, 2021, 29:45 Min., Buch und Regie: RenĂ© Römer, Kamera und Flugdrohne: Frank Schindler, Moderation: Beate Werner, Produktion: MDR, Reihe: Unterwegs in Sachsen, Erstsendung: 15. Mai 2021 bei MDR Fernsehen, Inhaltsangabe von MDR, online-Video aufrufbar bis zum 15. Mai 2022.
‱ Das Geheimnis von Görlitz. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2017, 2:30 Min., Buch und Regie: Stefan Kelch, Produktion: ZDF, Studio Dresden, Redaktion: heute-journal, Erstsendung: 2. Juli 2017 bei ZDF, Inhaltsangabe, online-Video.
‱ Görlitz – wunderbar verwandelt. Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 29:54 Min., Buch und Regie: RenĂ© Römer, Produktion: MDR, Reihe: Der Osten – Entdecke wo du lebst, Erstsendung: 11. Oktober 2016 bei MDR Fernsehen, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.
‱ Görlitz – Schatztruhe der Geschichte. Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 13:35 Min., Buch und Regie: Anja Charlet, Produktion: ZDF, Erstsendung: 3. Oktober 2016 bei ZDF, Inhaltsangabe. In: ZDF. 31. August 2016, archiviert vom Original am 13. August 2017; abgerufen am 9. Februar 2022. von ZDF, online-Video.
‱ Bilderbuch Deutschland. Görlitz. Dokumentarfilm, Deutschland, 2002, 43:36 Min., Buch und Regie: Carla Schulze, Produktion: MDR, Reihe: Bilderbuch Deutschland, Erstsendung: 20. Januar 2002 bei Das Erste, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.
‱ Görlitz: Eine Stadt sucht Menschen. Dokumentarfilm, Deutschland, 1998, 58:17 Min., Buch und Regie: Dieter Wieland, Kamera: Hermann Reichmann, Produktion: BR, Reihen: Topographie, Unter unserem Himmel, Erstsendung: 1. MĂ€rz 1998 beim Bayerischen Fernsehen, Datensatz der SLUB, online-Video.

Weblinks

Commons

: Görlitz

– Album mit Bildern

Commons

: Görlitz

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikivoyage: Görlitz

– ReisefĂŒhrer

Wiktionary: Görlitz

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikisource: Görlitz

– Quellen und Volltexte

‱ Offizielle Seite der Stadt
‱ Stadtwiki Görlitz
‱ Görlitz im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
‱ Literatur von und ĂŒber Görlitz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Görlitz-Lexikon. Das Info-Portal ĂŒber Görlitz. (Memento vom 14. Juni 2017 im Internet Archive). In: unser-goerlitz.de
‱ Görlitz in der NZZ vom 23. Juli 2016

Einzelnachweise

cite-note-metadaten-einwohnerzahl-de-sn-11. Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2024 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 15. Mai 2022 (Gebietsstand 01.01.2024). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 4. Juli 2025. (Hilfe dazu).
cite-note-22. ↑ G. Kießling: Blicke in die Mundart der sĂŒdlichen Oberlausitz. Revidierter Abdruck aus dem 4. Jahresberichte des Königl. Seminars zu Löbau. Raschkem, Zschopau 1883 (S. 17, 2.–3. Zeile.).
cite-note-33. ↑ Hans Klecker: Oberlausitzer Wörterbuch. (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) In: oberlausitzer-woerterbuch.de, aufgerufen am 12. April 2024.
cite-note-44. ↑ Ebenfalls ist Zgorzelec die historische polnische Bezeichnung fĂŒr die (gesamte) Stadt Görlitz. Zur Unterscheidung von der polnischen Stadt gleichen Namens wird fĂŒr den deutschen Teil heute auch im Polnischen der deutsche Ortsname verwendet.
cite-note-europastadt-55. ↑ Wir feiern 25 Jahre Europastadt Görlitz/Zgorzelec. In: goerlitz-zgorzelec.eu, aufgerufen am 12. April 2024.
cite-note-insek-66. ↑ BroschĂŒre: Große Kreisstadt Görlitz. Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK. Demographie, Fachkonzepte StĂ€dtebau und Denkmalschutz, Wohnen ‱ Fortschreibung 2009/2010. (PDF; 24 S., 1700 kB) In: Stadt Görlitz, Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, 2009, aufgerufen am 12. April 2024.
cite-note-77. ↑ Sebastian Beutler: Görlitzer OB: „Wir wollen internationaler werden.“ In: SĂ€chsische Zeitung, 6. Mai 2023, Octavian Ursu im Interview, nur Artikelanfang frei.
cite-note-88. ↑ CASUS – Center for Advanced Systems Understanding. Archiviert vom Original am 12. September 2025; abgerufen am 21. September 2025 (amerikanisches Englisch).
cite-note-99. ↑ Start - InterdisziplinĂ€ren Zentrums fĂŒr transformativen Stadtumbau. Abgerufen am 21. September 2025.
cite-note-1010. ↑ Deutsches Zentrum fĂŒr Astrophysik in der Lausitz. Abgerufen am 21. September 2025.
cite-note-1111. ↑ Fast 9.600 AuslĂ€nder leben in Görlitz. 9. August 2025, abgerufen am 21. September 2025.
cite-note-1212. ↑ Ingo Kramer: Görlitz im GlĂŒck: Einwohnerzahlen steigen. 6. Januar 2025, abgerufen am 21. September 2025.
cite-note-1313. ↑ Sebastian Beutler: Görlitz: Nachwuchsprobleme im Frauenorden - Burjan-Schwestern verlassen Stadt. 15. September 2025, abgerufen am 21. September 2025.
cite-note-1414. ↑ Planungsregion: Die Region im Überblick. In: Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, aufgerufen am 12. April 2024.
cite-note-1515. ↑ Land, Leute und Regionen – Oberlausitz. In: SĂ€chsische Staatskanzlei, aufgerufen am 8. September 2020.
cite-note-statistik-1616. ↑ Stadtverwaltung Görlitz, Kommunale Statistikstelle (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2009. Stadtverwaltung Görlitz, Zentrale Kopierstelle, 2009, S. 11.
cite-note-1717. ↑ Berzdorfer See. In: goerlitz.de. Abgerufen am 8. September 2020.
cite-note-1818. ↑ Holger Reischock: Görlitz liegt auf dem 15. Meridian – der „Mittagslinie“, die die mitteleuropĂ€ische Zeit bestimmt. Wo die Stunde schlĂ€gt. In: Berliner Zeitung, 31. MĂ€rz 2007.
cite-note-1919. ↑ Fritz R. StĂ€nker: Görlitz hat ein Luxusproblem: Die Meridianmarkierung. In: Görlitzer Anzeiger, 5. Dezember 2013.
cite-note-2020. ↑ Museum fĂŒr Naturkunde, Görlitz (Hrsg.): Erdgeschichte der Oberlausitz. Staatliches Museum fĂŒr Naturkunde Görlitz, Forschungsstelle, 1990, DNB 901323772 (32 S.).
cite-note-2121. ↑ E. F. Glocker, Naturforschende Gesellschaft Görlitz (Hrsg.): Geognostische Karte der Königl. Preuss. Oberlausitz. Lithogr. Anstalt v. Franz WeingĂ€rtner, Görlitz 1857.
cite-note-2222. ↑ Natura 2000 – Neißegebiet. In: natura2000.sachsen.de. Abgerufen am 8. September 2020.
cite-note-2323. ↑ Natura 2000 – Neißetal. In: natura2000.sachsen.de. Abgerufen am 8. September 2020.
cite-note-2424. ↑ Natura 2000 – Pließnitzgebiet. In: natura2000.sachsen.de. Abgerufen am 8. September 2020.
cite-note-2525. ↑ Natura 2000 – Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz. In: natura2000.sachsen.de. Abgerufen am 8. September 2020.
cite-note-2626. ↑ Natura 2000 – Separate Fledermausquartiere und -habitate in der Lausitz. In: natura2000.sachsen.de. Abgerufen am 17. September 2016.
cite-note-2727. ↑ Kreisfreie Stadt Görlitz (Hrsg.): Verordnung der Kreisfreien Stadt Görlitz zur Festsetzung von Naturdenkmalen im Stadtgebiet. (kreis-goerlitz.de [PDF; 260 kB; abgerufen am 17. September 2016]).
cite-note-2828. ↑ Die Stadt Görlitz und ihre Stadt- und Ortsteile. In: goerlitz.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
cite-note-fl-che-2929. ↑ Stadtverwaltung Görlitz (Hrsg.): Vorentwurf des FNP (FlĂ€chennutzungsplans). Stand: 17. Oktober 2005.
cite-note-3030. ↑ Klima-, Niederschlags- und Temperaturdiagramme der Stadt Görlitz. In: allmetsat.com. Abgerufen am 30. April 2010.
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